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Wilhelm Ritter von Leeb

Wilhelm Ritter von Leeb (* 5. September 1876 in Landsberg am Lech; † 29. April 1956 in Hohenschwangau) war ein deutscher Offizier (letzter Dienstgrad:Generalfeldmarschall).

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Ausbildung

Wilhelm Leeb entstammte einer altbayrischen Beamten- und Soldatenfamilie. Als Sohn des Majors a. D. Adolf Leeb besuchte er das humanistische Gymnasium in Passau, das er mit dem Abitur abschloss. Am 16. Juli 1895 trat er als Fahnenjunker in das 4. Bayrische Feldartillerieregiment 'König' in Augsburg ein. Auch sein Bruder Emil Leeb, der spätere General der Artillerie und Chef des Heereswaffenamts, trat im gleichen Regiment ein paar Jahre später seinen Dienst an. Sein Leutnantspatent erhielt Wilhelm Leeb am 3. März 1897. Die Artillerie- und Ingenieurschule München besuchte er 1898/1899.

Kaiserreich

Im Jahre 1900 meldete er sich freiwillig zur Teilnahme an der China-Intervention unter dem Oberbefehl des deutschen Generalfeldmarschalls Graf Waldersee gegen den sogenannten Boxer-Aufstand. Am 14. Dezember 1900 hatte er als Zugführer in der 1. Gebirgsbatterie des Ostasiatischen Feldartillerieregiments bei Kiautschou erstmals einen Gefechtseinsatz.

Ein dreijähriges Kommando zur Bayerischen Kriegsakademie in München bereitete Leeb auf die Generalstabslaufbahn vor, die ihn von 1907 bis 1909 - als Oberleutnant - zunächst in die Zentralstelle des Bayerischen Generalstabs führte. Eine Kommandierung nach Berlin zum Preußischen Großen Generalstab schloss sich von 1909 bis 1911 an. Nach der Beförderung zum Hauptmann 1911 wurde er zur Preußischen Feldartillerie-Schule Jüterbog kommandiert und übernahm danach im März 1912 eine Batterie im 10. Bayerischen Feldartillerieregiment in Erlangen. Noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er in den Bayerischen Generalstab zurückgeholt.

1. Weltkrieg

1914 begann für ihn der Krieg als 2. Generalstabsoffizier des I. Bayrischen Armeekorps (München).

Seine nächste Verwendung war seit März 1915 die eines 1. Generalstabsoffiziers (als Ia) der 1. Bayrischen Infanteriedivision, mit der er u.a. an der großen Durchbruchsschlacht bei Gorlice - Tarnow in Galizien teilnahm. Er bewährte sich als tatkräftiger, kluger und persönlich tapferer Generalstäbler einer als "fliegenden Division" auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen (Brussilow-Offensive im Osten, Rumänien, Chemin des Dames) eingesetzten Truppe, zu deren Erfolgen er wesentlich beigetragen hat. Das brachte ihm den Militär-Max-Joseph-Orden (*) und damit den persönlichen Adel ein. Aus Hauptmann Leeb wurde der "Ritter von Leeb", der zum Major i.G. (im Generalstab) aufstieg und vom bayrischen Thronfolger, Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht (1869-1955), in den Stab der von ihm geführten Heeresgruppe geholt wurde, wo er zuletzt die Funktion des Oberquartiermeisters übernahm.

Weimarer Republik

Ritter von Leeb tat nach dem Krieg zunächst als Chef der Armeeabteilung im "Bayrischen Ministerium für militärische Angelegenheiten" Dienst und übernahm im Oktober 1919 die Leitung der Abteilung TI ("Heeres-Abteilung") im Berliner Reichswehrministerium. Am 1. Oktober 1920 wurde er Oberstleutnant und ging im Sommer 1921 als Chef des Stabes der 2. Division (Reichswehr) (im Wehrkreis II) nach Stettin (Pommern). Schon zwei Jahre später kehrte er in gleicher Funktion in seine bayrische Heimat zurück und wurde Chef des Stabes der 7. Division (Reichswehr). Im Herbst 1924 übernahm er wieder ein Truppenkommando in seiner Geburtsstadt Landsberg als Kommandeur der II. (Gebirgs-)Abteilung des 7. Artillerieregiments. Hierbei stieg er im Februar 1925 zum Oberst auf und trat ein Jahr später an die Spitze des 7. (Bayrischen) Artillerrieregiments in Nürnberg.

In der Reichswehr-Rangliste von 1927 lesen sich die Namen der damals unter dem Obersten Ritter von Leeb dienenden Hauptleute wie ein Auszug aus dem Generalsregister des zweiten Weltkriegs: Axthelm über Breit, Ritter von Pohl bis zum Freiherrn von Roman. Nach vorübergehender Verwendung als Artillerieführer V in Stuttgart und VII in München wurde er am 1. Februar 1930 als Generalleutnant Kommandeur der 7. (Bayrischen) Division, Befehlshaber im Wehrkreis VII und Landeskommandant in Bayern und gehörte somit schon zu den Spitzen der Reichswehrgeneralität, als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, zum Reichskanzler berufen wurde. In jenen frühen dreißiger Jahren wurde Leeb, der selbst ein engagierter Freund der Berge war, zum Schöpfer der modernen deutschen Gebirgstruppe und absolvierte unter dem damaligen Major Eduard Dietl, dem späteren Generalobersten und Befehlshaber der Lappland-Front, auch mehrere Heeresbergführerkurse. Bereits nach zwei Lehrgängen erwarb er den Heeresbergführerschein.

Drittes Reich

Mit dem 1. Oktober 1933 wurde Ritter von Leeb als Nachfolger des ausscheidenden Generals der Infanterie Freiherr Seutter von Lötzen zum Oberbefehlshaber der Gruppe 2 in Kassel ernannt und bald darauf - am 1. Januar 1934 - zum General der Artillerie befördert. In seiner neuen Funktion hatte er 1936 das bislang größte deutsche Manöver zwischen den beiden Weltkriegen im Raum Vogelsberg - Rhön - Spessart - Mainlinie zu leiten und entwickelte sich allmählich zum führenden Theoretiker der Verteidigungs- und Abwehrstrategie. So arbeitete er u. a. im Sommer 1934 an den Grundentwürfen für die Errichtung des Westwalls mit, schrieb 1935 die Heeresdienstvorschrift (HDV), "Stellungskrieg und Kampf um ständige Befestigungen" und fasste 1938 seine strategischen Gedanken in dem Werk "Abwehr" zusammen, das später von der US Army unter die Ausgaben ihrer militärischen Klassiker aufgenommen wurde.

Ein so profilierter Fürsprecher einer defensiven Strategie, der außerdem einer der engsten Anhänger des 1938 durch ein unwürdiges Intrigenspiel aus seinem Amt als Oberbefehlshaber des Heeres gedrängten Generalobersten Werner Freiherr von Fritsch galt, der die Nürnberger Gesetze verdammte, für die Beibehaltung der Militärseelsorge eintrat und ostentativ an der persönlichen Freundschaft zu dem Münchner Kardinal von Faulhaber festhielt, passte nicht recht in die militärisch-politische "Landschaft" des Dritten Reiches. So wurde er im Zusammenhang mit dem großen Generalsschub vom 4. Februar 1938 nach der Blomberg-Affaire auch veranlasst, seinen Abschied einzureichen. Gleichzeitig erhielt er den "Charakter als Generaloberst", d. h., er durfte Generaloberstenuniform tragen, bekam aber kein Patent und keine Gebührnisse dieses Ranges.

Doch schon im Herbst 1938 wurde er anlässlich der Besetzung des Sudetenlandes vorübergehend reaktiviert und im März 1939 mit dem Oberbefehl über die 12. Armee (Wehrmacht) betraut, wobei der spätere Generalfeldmarschall Erich von Manstein sein Generalstabschef war. Diese Armee rückte von Oberösterreich und vom Bayerischen Wald in die Tschechoslowakei nach Böhmen ein.

2. Weltkrieg

Bei Kriegsausbruch 1939 kehrte von Leeb erneut in den aktiven Dienst zurück und übernahm den Oberbefehl über die mit relativ schwachen Kräften die gesamte Westfront von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze gegen überlegene Feindtruppen aufmarschierte Heeresgruppe C. Von einem offensiven deutschen Vorgehen im Westen hielt Leeb nichts. Er brachte dies in zwei Denkschriften zum Ausdruck und schrieb am 31. Oktober 1939 "...das Schwert hat nicht die Schärfe, die der Führer wohl annimmt...Ich halte es für ein gegenwärtig nicht zu erreichendes Ziel, Engländer, Franzosen und Belgier zu vernichten."

Hitler jedoch war damals und auch später nicht bereit, solchen "Defätisten" Gehör zu schenken. Als die deutsche Westoffensive am 10. Mai 1940 begann, kämpften Leebs neunzehn Divisionen am linken Flügel des Gesamtheeres - von Luxemburg bis zur Schweiz - zunächst hinhaltend, ehe auch für sie die Stunde des Angriffs gekommen war. Am 14. Juni 1940 durchbrachen sie die für unüberwindlich gehaltene Maginot-Linie und schlossen dann die französische Heeresgruppe 2 des Generals Prétélat im Elsaß und in Lothringen ein und brachten schließlich über 700 000 Gefangene ein. Wegen dieses großartigen Erfolges wurde Generaloberst Ritter von Leeb am 19. Juli 1940 von Hitler zum Generalfeldmarschall befördert. Die gleiche Beförderung erhielt der ihm unterstellte Oberbefehlshaber der 1. Armee (Wehrmacht), Generaloberst Erwin von Witzleben, während General der Artillerie Dollmann, Oberbefehlshaber der 7. Armee (Wehrmacht), zum Generaloberst befördert wurde. Beide sollten nicht das Kriegsende erleben: Witzleben wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 hingerichtet, Dollmann endete während der Invasionskämpfe 1944 durch Selbstmord.

Zu Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion (Operation Barbarossa) stand er an der Spitze der Heeresgruppe Nord, zu der die 16. Armee (Wehrmacht), die 18. Armee (Wehrmacht) und die Panzergruppe 4 gehörten. Luftunterstützung erhielt sie von der Luftflotte 1 des Pour-le-Mérite-Trägers Generaloberst Keller. Leebs Heeresgruppe sollte im Baltischen Raum operieren und Leningrad sowie Kronstadt erobern. Als jedoch die alte Zarenmetropole den rasch vordringenden Truppen Leebs greifbar nahe lag und die Einnahme so gut wie sicher schien, wurde der weitere Vormarsch auf ausdrücklichen Befehl Hitlers gestoppt, der glaubte, Leningrad einfach aushungern zu können. Die Front wurde daraufhin geschwächt und es kam zu aussichtslosen, verlustreichen Strellungskämpfen und starren Haltebefehlen aus dem Führerhauptquartier.

Verstärkt wurde diese psychische Belastung der Truppenführung durch den "Kommissarbefehl". In einem Gespräch unter vier Augen erzwang daraufhin Leeb bei Hitler eine endgültige Verabschiedung, indem er erklärte, er könne sein Kommando nicht mehr ausüben und sei daher auch nicht in der Lage, die Verantwortung für die Heeresgruppe Nord zu tragen. Er wurde im September 1941 durch Generaloberst Georg von Küchler ersetzt. Seit dem 13. Januar 1942 fand er keinerlei militärische Verwendung mehr. Er zog sich zunächst nach München-Solln und dann - ab Sommer 1943 - nach Hohenschwangau zurück, wo ihn am 2. Mai 1945 die Amerikaner als Kriegsgefangenen abführten.

Nachkriegszeit

Aus dem Kriegsgefangenen wurde im elf Monate dauernden "Generalsprozess" ein Angeklagter, der in einer Verurteilung zu fünf Jahren Haft endete. Er wurde aber sofort nach der Verurteilung aus der Haft entlassen und kehrte nach Hohenschwangau zurück. Nach einem Schlaganfall starb er am 29. April 1956.

Vor einigen Jahren hat die Dotatation von Hitler an von Leeb (Wälder im Raum Passau) für Aufsehen erregt. Diese Besitztümer sind heute noch im Besitz der Familie Leeb.

Hinweise

In Landsberg am Lech war nach ihm die Ritter-von-Leeb-Kaserne benannt.

Siehe auch: Prozess Oberkommando der Wehrmacht







Personendaten
Leeb, Wilhelm Ritter von
Generalfeldmarschall im Dritten Reich
5. September 1876
Landsberg am Lech
29. April 1956
Hohenschwangau


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