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Weimarer Republik

 der Weimarer Republik, von oben nach unten: schwarz, rot, gold
Flagge der Weimarer Republik, von oben nach unten: schwarz, rot, gold

Als Weimarer Republik wird die von 1919 bis 1933 währende Ära der deutschen Geschichte bezeichnet. Während der Zeit der Weimarer Republik war das Deutsche Reich ein demokratischer Bundesstaat. Die Hauptstadt war Berlin. Den Namen erhielt die erste deutsche Republik von der Stadt Weimar, dem Tagungsort der verfassunggebenden Nationalversammlung. Ihre Entstehung ist durch die unmittelbaren Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs geprägt. Gleichzeitig ist ihr Untergang auch mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Zeit der Weimarer Republik 1919–1933 nimmt den größeren Teil des deutschen Interbellums ein. Sie war der zweite, erfolgreichere Versuch (nach der Märzrevolution von 1848), eine liberale Demokratie nach westlichem Muster in Deutschland zu etablieren. Er scheiterte mit der Machtübernahme durch die NSDAP, die in eine totalitäre Diktatur führte. Die schon unter Zeitgenossen verbreitete These, der Staat von Weimar sei eine Republik ohne Republikaner gewesen, ist nur bedingt richtig, weist aber auf ein wesentliches Strukturproblem hin: Es gab keinen tragfähigen Verfassungskonsens, der alle Teile des politischen Spektrums von rechts bis links eingebunden hätte.

Die meisten Parteien hatten von ihren unmittelbaren Vorgängern im Kaiserreich die ideologische Ausrichtung übernommen und vertraten weitgehend die Interessen ihrer jeweiligen Klientel – auch wenn es abgesehen von SPD und Zentrum keine namentliche Kontinuität gab. Die Zersplitterung der Kräfte und Aufteilung nach Interessensgruppen wie Arbeiterbewegung oder Katholiken wurde (negativ) Partikularismus genannt. Das parlamentarische Regierungssystem einerseits und das die Parteienzersplitterung begünstigende Verhältniswahlrecht andererseits erforderten aber die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Kompromisse zu schließen. Die Parteien der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum und DDP) – so genannt, weil sie die erste Regierungskoalition in der Weimarer Nationalversammlung bildeten – verloren die absolute Mehrheit bereits mit der ersten Reichstagswahl von 1920, um sie nie mehr wieder zu erlangen. In 14 Jahren gab es 20 Kabinettswechsel; 11 Minderheitenkabinette regierten abhängig von der Gnade des Reichspräsidenten und mit Hilfe des Artikels 48 der Weimarer Verfassung; meistens bevölkerten den Reichstag bis zu 17 verschiedene Parteien, selten waren es weniger als 11.

Die junge Demokratie trat ein schweres Erbe an:

Entwicklung der Weimarer Republik

Die Geschichte der Weimarer Republik lässt sich nach der Gründungsphase in drei Abschnitte gliedern:

Die Gründung der Republik

 bei der Eröffnung der Nationalversammlung in am
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Friedrich Ebert bei der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar am 6. Februar 1919

Die Weimarer Republik ging aus der Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkrieg hervor. Die letzte kaiserliche Regierung des Deutschen Kaiserreiches unter Prinz Max von Baden hatte selbst noch die Parlamentarisierung der Reichsverfassung (Oktoberreformen) vorgenommen, um die Siegermächte zu günstigen Friedensbedingungen zu bewegen. Die Reformen hin zu einer parlamentarischen Demokratie waren außerdem eine Bedingung der Alliierten, insbesondere des US-Präsidenten Woodrow Wilson, um überhaupt Friedensverhandlungen aufzunehmen. Er machte in einer Antwortnote auf das deutsche Waffenstillstandsgesuch im Oktober 1918 deutlich, dass mit den militärischen Beherrschern und monarchistischen Autokraten nicht über Friedensbedingungen verhandelt wird. Andernfalls hätte Deutschland sich ergeben müssen. Die eigenmächtige Entscheidung der kaiserlichen Marineleitung, nach Herausgabe des Waffenstillstandsgesuchs an die Alliierten noch eine Schlacht mit der englischen Flotte zu suchen, löste den Matrosenaufstand von Kiel und die Novemberrevolution aus, die das kaiserliche Regime endgültig hinwegfegte.

Am 9. November 1918 gab Max von Baden eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt (obwohl der Kaiser noch gar nicht zurückgetreten war) und übergab dem Vorsitzenden der Mehrheitssozialdemokraten Friedrich Ebert das Kanzleramt. Am gleichen Tag rief Philipp Scheidemann die demokratische Republik aus, und kam damit den radikalen Linken unter Karl Liebknecht zuvor, denn um 16 Uhr (nur zwei Stunden nach dem Ausruf der demokratischen Republik) rief Karl Liebknecht die sozialistische Republik aus. Der Rat der Volksbeauftragten, die provisorische Regierung aus SPD und USPD, sicherte sich die Unterstützung der neuen Obersten Heeresleitung unter General Wilhelm Groener (Ebert-Groener-Pakt) und strebte rasche Neuwahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung an.

Noch im Dezember zerbrach die neue Regierung am Streit um das Vorgehen des Militärs gegen die Aufständischen des Spartakusbundes, deren Ziel nach wie vor die Errichtung einer Räterepublik war, obwohl sie damit innerhalb von USPD und Arbeiter- und Soldatenräten lediglich eine Minderheitenposition vertraten. Im Verlauf der gegenrevolutionären „Säuberungen“ durch reguläre Truppen und Freikorps wurden Mitte Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützendivision verschleppt und ermordet.

Siehe auch: Novemberrevolution

Die Verfassungsentwicklung

Nachdem am 19. Januar 1919 die ersten Wahlen zur Nationalversammlung in der Weimarer Republik stattgefunden hatten, trat die Nationalversammlung am 6. Februar 1919 in Weimar zum ersten Mal zusammen. Man wählte Weimar als Tagungsort, da man befürchtete, dass die Sicherheit und Unabhängigkeit der ersten ordnungsgemäß gewählten Volksvertreter der neuen Republik aufgrund von Unruhen in der Hauptstadt Berlin nicht gewährleistet sein würden. Hauptaufgabe dieses Organs war es zu diesem Zeitpunkt eine Verfassung zu entwickeln, in der eine freiheitlich demokratische Grundordnung rechtsgültig festgeschrieben wurde.

Maßgeblich verantwortlich für den ersten Entwurf der neuen und innovativen Verfassung war der linksliberale Staatsbürger jüdischen Glaubens und zugleich späterer Reichsinnenminister Hugo Preuß. Dieser hatte schon während des Krieges einen Vorschlag für eine demokratisch überarbeitete Verfassung des Deutschen Reiches vorgelegt und war deshalb bereits als Gegner des Obrigkeitsstaates und überzeugter Demokrat bekannt.

Er selbst sagte in der Begründung seines Entwurfs: "Das deutsche Volk zur sich selbst bestimmenden Nation zu bilden, zum ersten Mal in der deutschen Geschichte den Grundsatz zu verwirklichen: die Staatsgewalt liegt beim Volk, - das ist der Leitgedanke der freistaatlichen deutschen Verfassung von Weimar..." Diese Aussage verdeutlicht, welche Hoffnung in die neue Staatsform und ihre Verfassung gelegt wurde und dass die Volkssouveränität oberste Priorität hatte.

Der Entwurf löste jedoch lebhafte Diskussionen zwischen den verschiedenen politischen Lagern aus, da nahezu alle politischen Elemente des früheren Kaiserreichs bedeutungslos wurden und die Verfassung somit einen deutlichen Neuanfang darstellte. Am 31. Juli 1919 wurde die Verfassung schließlich in ihrer endgültigen Form von der Nationalversammlung angenommen und am 11. August vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert unterzeichnet. Die Reichsregierung beschloss daraufhin, dass dieser Tag von nun an alljährlich als Feiertag begangen werden sollte, um an die "Geburtsstunde der Demokratie" zu erinnern.

Die Weimarer Verfassung hatte zwar einen demokratischen Charakter, wurde jedoch von vielen als Kompromissverfassung angesehen, da an der Entwicklung viele Parteien mit unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen beteiligt waren. Dadurch, dass man versucht hatte möglichst allen gerecht zu werden, hat man jedoch mehr Kritiker als Anhänger gewonnen. Doch trotz dieser Unstimmigkeiten, blieb sie in ihrer ursprünglichen Form bis zum Ende der Republik bestehen.

Die Krisenjahre

Von Anfang an stand die junge Republik unter dem Trommelfeuer der Angriffe der extremen Rechten und Linken. Die Linke warf den Sozialdemokraten wegen ihres Zusammengehens mit den alten Eliten Verrat an den Idealen der Arbeiterbewegung vor; die Rechte machte die Anhänger der Republik für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich und verunglimpfte sie als „Novemberverbrecher“. (Siehe auch: Dolchstoßlegende, Novemberrevolution, Organisation Consul)

Der Kapp-Putsch vom März 1920 stellte die Republik auf eine erste Belastungsprobe. Freikorps unter General von Lüttwitz besetzten das Berliner Regierungsviertel und ernannten den ehemaligen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die legale Regierung zog sich nach Dresden zurück und rief von dort aus zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Damit war der Putsch gescheitert; entscheidend für die Niederlage war die Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten – während sich die Reichswehr abwartend verhalten hatte (Hans von Seeckt: „Truppe schießt nicht auf Truppe“).

Nahezu gleichzeitig mit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch erschütterte ein kommunistischer Aufstandsversuch das Ruhrgebiet; er wurde von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen. Weitere Aufstände in Sachsen, Thüringen und Hamburg wurden genauso blutig unterdrückt.

Am 16. April 1922 vereinbarten Deutschland und die Sowjetunion im Vertrag von Rapallo diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen, militärische Zusammenarbeit und einen Verzicht auf Entschädigungszahlungen. Der Vertrag verärgerte die Westmächte, insbesondere Frankreich. Am 24. Juni 1922 ermordeten rechtsextreme Offiziere aus der Organisation Consul den für den Rapallo-Vertrag verantwortlichen Außenminister Walther Rathenau, der einer der bedeutendsten Politiker beim Aufbau der Weimarer Republik und wenigen intellektuellen Integrationsfiguren war. Der Terroranschlag stürzte den jungen Staat sowohl innen- als auch außenpolitisch in eine weitere Krise.

Ein Verzug bei den Reparationszahlungen führte Anfang 1923 zur Ruhrbesetzung, in deren Zusammenhang dann im Rheinland und in der Pfalz separatistische Bewegungen auftraten. Es kam zum passiven Widerstand, der dem Staat hohe Kosten verursachte, die er durch vermehrtes Drucken von Geld zu decken versuchte. Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann musste den Widerstand abbrechen. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden der Ruhrbesetzung belief sich auf 3,5 bis 4 Milliarden Goldmark. Der Wert der Papiermark fiel immer schneller.

Inflation /: eine Frau feuert ihren Kachelofen mit Inflationsgeld
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Inflation 1923/24: eine Frau feuert ihren Kachelofen mit Inflationsgeld

Am 3. September stand der Wechselkurs für einen amerikanischen Dollar noch bei knapp zehn Millionen Mark, Ende des Monats waren es dann schon 160 Millionen Mark, wenig später kostete ein Dollar Milliarden- und Billionenbeträge. Aus der Inflation, die schon während der Kriegszeit eingesetzt hatte, wurde eine Hyperinflation. Erst die Einführung der Rentenmark (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark bei 4,20 Rentenmark für den Dollar) beendete den Spuk. Zu den Geschädigten der Inflation gehörten vor allem die kleinen Sparer und Rentenbezieher. Sachwertbesitzer und Industrielle (wie Hugo Stinnes), die Kredite mit fast wertlosem Geld zurückzahlen konnten, profitierten. Auch Landwirte gehörten zu den Gewinnern, da sie ihre Schulden leicht zurückzahlen konnten. (Siehe auch: Deutsche Inflation 1914 bis 1923)

Mittlerweile hatte sich Bayern als Sammelbecken aller rechtskonservativen und -radikalen Kräfte im Deutschen Reich etabliert; von dieser „Ordnungszelle“ aus strebten sie an, Deutschland vom „marxistischen Chaos“ zu befreien. Das Ende des passiven Widerstandes gegen die Ruhrbesetzung diente der bayerischen Regierung als Vorwand Gustav Ritter von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten (nach Artikel 48 Weimarer Verfassung) zu ernennen. Dieser und der bayerische Wehrkreiskommandeur Otto von Lossow spielten eine zweideutige Rolle im von Adolf Hitler nach italienischem Vorbild geplanten „Marsch auf Berlin“. Als Reaktion auf diesen Versuch, eine Rechtsdiktatur zu errichten, verhängte Reichspräsident Ebert seinerseits den Ausnahmezustand. General Hans von Seeckt, der Chef der Heeresleitung, der mit von Kahr sympathisierte, konnte eine Reichsexekution allerdings verhindern.

Siehe auch: Hitlerputsch, Geschichte Bayerns

Die fünf guten Jahre

Trotz aller Spannungen und Konflikte, die die junge Republik zu meistern hatte, schien die Demokratie zu siegen. Die Neuordnung der Währung und die im Gefolge des Dawes-Plans ins Land strömenden amerikanischen Kredite leiteten eine Phase relativer wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung ein, die so genannten Goldenen 20er Jahre. Dazu trug bei, dass Stresemann unter wechselnden Regierungen Außenminister blieb und mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand eine erste noch vorsichtige Politik der Annäherung einleitete. Gleichzeitig versuchte er, eine schrittweise Revision des Versailler Vertrages zu erreichen und Deutschland wieder als gleichberechtigten Partner in die internationale Gemeinschaft zurück zu führen. Die Aufnahme in den Völkerbund und die Verträge von Locarno sind als erste Erfolge auf diesem Wege anzusehen. Mit dem Berliner Vertrag, der ein deutsch-sowjetisches Freundschafts- und Neutralitätsbündnis darstellte, versuchte der Reichsaußenminister sowjetischen Befürchtungen über eine einseitige deutsche Westbindung und deutscher, in dieselbe Richtung zielender Kritik, entgegenzuwirken.

Weitere Stationen auf dem Weg der Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern bildeten die Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Pakts, der die Ächtung des Kriegs als Instrument der Politik zum Inhalt hatte und – trotz erheblicher Widerstände von rechter Seite – die Annahme des Young-Plans, der eine endgültige Regelung des Reparationsfrage darstellte und Voraussetzung für die vorzeitige Räumung des Rheinlands von alliierter Besatzung war.

Auch der Abschluss von Wirtschaftsverträgen mit Ungarn, Rumänien und Bulgarien im Jahr 1927 stärkte das Ansehen der Weimarer Republik im Ausland.

Innenpolitisch gelang es, die republikfeindliche Deutschnationale Volkspartei (DNVP) in die Regierungsverantwortung einzubinden. Auch die Wahl des greisen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg 1925 zum Reichspräsidenten, der sich vor der Wahl die Zustimmung Wilhelms II. holte, wirkte sich anfangs eher stabilisierend für die Demokratie aus (siehe: Reichspräsidentenwahl 1925). Er konnte allerdings seine restaurativen Neigungen nicht ganz verbergen, was sich unter anderem in der von ihm 1926 erlassenen Flaggenverordnung zeigt, die es deutschen Auslandsvertretungen erlaubte, neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge die schwarz-weiß-rote Handelsflagge des Kaiserreichs zu hissen. Er verhindert auch ein Ausführungsgesetz zum Notverordnungsrecht nach Artikel 48 Weimarer Verfassung.

Insgesamt waren auch diese Jahre nur eine Phase der relativen, nicht der absoluten Stabilisierung. Auch in diesen Jahren besaß keine Regierung eine Mehrheit im Parlament und die Parteien fühlten sich weniger dem Allgemeinwohl als vielmehr ihrer Klientel oder dem eigenen Erfolg verpflichtet.

Agonie und Untergang

Dennoch waren alle Hoffnungen auf eine langfristige Stabilisierung der ersten deutschen Demokratie vergeblich. Der Tod Gustav Stresemanns im Oktober 1929 markiert den Anfang vom Ende der Weimarer Republik.

In der DNVP hatten sich die stramm antirepublikanischen Kräfte um den Medienzaren Alfred Hugenberg durchgesetzt, der zusammen mit Adolf Hitler und Franz Seldte vom Stahlhelm 1929 den Volksentscheid gegen den Young-Plan initiierte. Der Volksentscheid scheiterte zwar, machte aber die Nationalsozialisten in weiten Kreisen des konservativen Bürgertums salonfähig.

Arbeitslose Frau bietet sich mit einem Schild auf der Straße zur Arbeit an
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Arbeitslose Frau bietet sich mit einem Schild auf der Straße zur Arbeit an

Von entscheidender Bedeutung für die Radikalisierung der Politik war schließlich die Weltwirtschaftskrise, die Deutschland sehr viel härter traf als andere europäische Staaten. Nach dem Börsenkrach an der Wall Street wurden die vielen kurzfristigen Auslandskredite aus Deutschland abgerufen. Daraufhin brach die ohnehin schon schwache deutsche Wirtschaft völlig zusammen. Durch die einsetzende Massenarbeitslosigkeit verschlechterte sich die soziale Lage dramatisch. Am Ende der Weimarer Republik im Jahr 1933 zählte man insgesamt 6 Millionen Arbeitslose. Viele Menschen lebten am Existenzminimum. Dies ging einher mit einer Dauerregierungskrise. Parlament, Regierung und Reichspräsident arbeiteten mehr gegen- als miteinander. Es kam zu Neuwahlen in rascher Abfolge, bei denen die radikalen Parteien, vor allem die NSDAP immer mehr Zulauf erhielten, was parlamentarische Mehrheiten erst recht unmöglich machte.

Im März 1930 zerbrach die von dem Sozialdemokraten Hermann Müller geführte Große Koalition über der Frage einer geringfügigen Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung. Reichspräsident Hindenburg beauftragte den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning mit der Bildung einer Minderheitsregierung, die nur gestützt auf das Vertrauen des Präsidenten und dessen Recht zum Erlass von Notverordnungen und zur Auflösung des Reichstags regieren konnte (Präsidialkabinett). Ein Grund war möglicherweise, dass es keine Mehrheit für eine arbeitsfähige Regierung gab und die Parteien keine Konsensfähigkeit zeigten. Allerdings wurden im wesentlichen nur die Minister der SPD ausgewechselt, was auf einen vom Präsidenten gewünschten Schwenk nach Rechts hindeutet. Die Wahlen vom September 1930 brachten den Nationalsozialisten einen erdrutschartigen Zuwachs: sie konnten ihre Stimmenzahl auf 18,3% steigern und wurden damit zur zweitstärksten Partei. Jetzt gab es nicht einmal mehr eine Mehrheit für eine Große Koalition im Reichstag, der zunehmend zum Forum für die Agitation rechter und linker Gegner der Republik wurde.

Das Vertrauen in die Demokratie und die Republik sank immer mehr. Die Menschen machten die Republik für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. Die Rufe nach einem „Starken Mann“, der das Deutsche Reich wieder zu alter Größe und Ansehen bringen sollte, wurden immer lauter.

Auf diese Forderungen gingen besonders die Nationalsozialisten ein, die mittels gezielter Propaganda und der Konzentration auf die Person Hitlers das Bild des Starken Mannes suggerierten. Sie verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen und nutzten modernste Formen des Wahlkampfes. Unter anderem emotionalisierten sie den Wahlkampf und konnten so gegenüber den anderen Parteien punkten. Hitler griff alles an, was mit dem „Weimarer System“ in Verbindung gebracht wurde, vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien bis hin zum eigentlichen demokratisch-parlamentarischen Prinzip.

Aber nicht nur der rechte Flügel Deutschlands erstarkte, sondern auch der linke. Die republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen kaum Stimmen, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament und auf der Straße. Denn längst hatte sich der Kampf, ausgehend von den Kampforganisationen der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Roter Frontkämpferbund) auf die Straße verlagert, wo sich teilweise bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten, an denen sich auch die republikanisch gesinnten Kräfte mit einem eigenen Kampfverband, dem sozialdemokratisch dominierten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (später Eiserne Front) beteiligten. Auch diese chaotischen Gewaltszenen spielten letztlich – obwohl sie oft ursächlich dafür verantwortlich waren – den Nationalsozialisten in die Hände, da Hitler immer häufiger als „letzte Karte“ ins Spiel gebracht wurde, die geordnete Verhältnisse wiederherstellen würde.

Um eine weitere Stärkung der radikalen Flügelparteien zu verhindern, tolerierte die SPD im Reichstag weitgehend die auf Kürzung der Sozialausgaben basierende Spar- und Deflationspolitik Brünings – die aber die wirtschaftliche Krise nur noch verschärfte.

Am 11. Oktober 1931 vereinigte sich die nationalistische Rechte zur Harzburger Front. Als Reaktion bildeten die republiktreuen Organisationen unter dem Fahnensymbol der drei Pfeile die Eiserne Front.

1932 standen Wahlen zum Amt des Reichspräsidenten an. Bezeichnend für die Situation der Republik ist, dass keiner der Kandidaten, Thälmann, Hitler und Hindenburg, ein Demokrat war. Die Parteien der Mitte bis zur SPD unterstützten Hindenburg, um einen Erfolg Hitlers zu verhindern. Brüning hatte sich mit seinem Verbot der SA und der Osthilfeverordnung, die von den ostpreußischen Grundbesitzern – zu denen auch Hindenburg gehörte – stark kritisiert wurde, beim Reichspräsidenten unbeliebt gemacht. In der Bevölkerung war er auf Grund seiner Deflationspolitik unbeliebt und Hindenburg nahm es ihm übel, dass er auf sein Betreiben auch von den Anhängern der SPD zum Reichspräsidenten gewählt worden war. Er entzog ihm sein Vertrauen und Brüning musste zurücktreten. Der Kanzler wurde nach eigenem Bekunden „hundert Meter vor dem Ziel“ gestürzt, wobei er sein Ziel in der Gleichberechtigung Deutschlands und der endgültigen Aufhebung der Reparationen sah – innenpolitisch war er gescheitert.

-Wahlplakat „Gegen Papen, Hitler, Thälmann. Liste 2 Sozialdemokraten“
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SPD-Wahlplakat „Gegen Papen, Hitler, Thälmann. Liste 2 Sozialdemokraten“

Sein Nachfolger Franz von Papen ersuchte Hindenburg sofort um Auflösung des Parlaments. Er wollte die Unterstützung der Nationalsozialisten und hob dafür das Verbot der SA und der SS wieder auf. Im sechsten Reichstag, der im Juli 1932 gewählt wurde, hatten die Nationalsozialisten 230 und die Kommunisten 89 von 608 Mandaten. Die beiden extremen Flügelparteien hatten damit eine negative Mehrheit erreicht, die jede parlamentarische Arbeit unmöglich machte. Papen löste den gerade erst gewählten Reichstag, nach einem mit großer Mehrheit gegen ihn gerichteten Misstrauensvotum, durch eine vorbereitete Order Hindenburgs wieder auf. Am 20. Juli führte er einen Staatsstreich gegen die Regierung von Preußen, die letzte Bastion der Republik durch. Als Vorwand für den „Preußenschlag“ diente das angebliche Versagen der preußischen Polizei am „Altonaer Blutsonntag“ (Straßenkämpfe zwischen SA und Kommunisten).

Die Neuwahlen vom November des gleichen Jahres brachten zwar einen Rückgang der Stimmen für die NSDAP, aber wiederum keine regierungsfähige Mehrheit. Papen trat zurück, nachdem der Reichstag es geschafft hatte, ihm das Misstrauen auszusprechen und Hindenburg eine Auflösung der Reichstags ohne die Festsetzung von Neuwahlen, was einen offensichtlichen Verfassungsbruch dargestellt hätte, nicht durchzuführen bereit war. Sein Nachfolger wurde General Kurt von Schleicher, der bis dahin im Hintergrund die Fäden gezogen hatte. Sein ehrgeiziger Plan, eine breite „Querfront“ von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP um Gregor Strasser zu bilden, scheiterte. Da Hindenburg wieder nicht bereit war, den Reichstag aufzulösen und Neuwahlen aufzuschieben, trat Schleicher am 28. Januar 1933 zurück.

Am 4. Januar 1933 traf sich Hitler zu Geheimverhandlungen mit Papen im Privathaus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder. Sie vereinbarten eine Koalitionsregierung, der außer Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten, nämlich Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister, angehören sollten. Papen selbst war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.

Reichspräsident von Hindenburg, der sich bis zuletzt gegen eine Kanzlerschaft des „böhmischen Gefreiten“ Hitler gesträubt hatte, konnte mit dem Hinweis, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmter“ NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute, beruhigt werden. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 besiegelte das Ende der Weimarer Republik.

Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz führten direkt in die Diktatur der Zeit des Nationalsozialismus.

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