Stuttgart-Bad Cannstatt
Cannstatt, seit 1933 Bad Cannstatt, früher auch Kannstadt, Canstadt oder Cannstadt genannt, ist heute der
einwohnerstärkste Stadtbezirk der baden-württembergischen
Landeshauptstadt Stuttgart. Bad Cannstatt liegt am rechten, nordöstlichen Ufer
des Neckars und wurde bereits in der Römerzeit gegründet.
Übersicht
Abgesehen vom Botanisch-Zoologischen Garten Wilhelma, den zahlreichen
Mineralquellen ("Sauerwasserstadt") und den Kurbetrieben ist Bad Cannstatt bekannt für
das alljährlich im Herbst auf dem Cannstatter Wasen stattfindende
Cannstatter Volksfest, das Gottlieb-Daimler-Stadion (VfB Stuttgart) und die Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Außerdem gilt Cannstatt dank Gottlieb Daimler als Geburtsort von Motorrad und
Automobil.
Scherzhaft ist auch heute noch anstatt der korrekten Bezeichnung Stuttgart-Bad Cannstatt von Stuttgart bei
Cannstatt die Rede, da die Landeshauptstadt im Talkessel des Nesenbachs auf der anderen Seite des Neckars erst wesentlich
später gegründet wurde und Cannstatt bis zur Eingemeindung 1905 als Oberamtsstadt
selbstständig war.
Als Neckname werden die Cannstatter auch "Mondlöscher" genannt (nach einem "Mondlöscher-Einsatz" der Cannstatter Feuerwehr am
Karsamstag 1887).
Geschichte
- In römischer Zeit war Bad Cannstatt eine bedeutende Stadt, vermutlich sogar der Hauptort einer Civitas ("Regierungsbezirk").
Die Gegend kam um das Jahr 90 unter römische Herrschaft. Bis in die 1990er Jahre vermutete man
das Jahr 85 n.Chr., heute eher das Jahr 98 n.Chr. als Beginn der römischen Präsenz in diesem Raum. In Bad Cannstatt errichten die
Römer auf der Altenburg ein Reiterkastell ("Alenkastell", vlg. Ala). Hier lag eine der
stärksten römischen Militäreinheiten zwischen den römischen Legionslagern Mainz und
Augsburg. Das Kastell bestand bis zur Vorverlegung des Neckar-Odenwald-Limes um
rund 30 km nach Osten, wahrscheinlich im Jahre 159 n.Chr.. Auch als römische Zivilsiedlung war das römische Cannstatt sehr
bedeutend, Streufunde belegen eine erhebliche Größe. Allerdings sind bis heute römische Großbauten (Wasserleitungen, Thermen,
Theater, Stadtmauer, Forumsbauten o.ä.) nicht nachgewiesen. Das Ende des römischen Cannstatt kam mit dem großen Alemanneneinfall
von 259/260 n.Chr. Der lateinische Name der Stadt ist unbekannt. In den Metzer Annalen des 8. Jahrhunderts wird Cannstatt im
Zusammenhang mit den Ereignissen von 746 (s.u.) "condistat" geschrieben. Für diesen Namen
gibt es kaum eine plausible germanische, wohl aber naheliegende lateinische Etymologien (vgl. lat. "condita" = die Gegründete).
Da auch viele anderen lateinische Ortsnamen in Süd- und Westdeutschland zumindest im ersten Wortbestandteil erhalten sind (vgl.
Pforzheim aus lat. portus <Hafen>) stammt von dem Münchner Privatgelehrten Konrad Badenheuer die Hypothese, der lateinische
Name der Stadt könne mit Condi- begonnen haben.
- Bad Cannstatt besitzt nach Budapest das zweitgrößte Mineralwasservorkommen
Europas. Diese Quellen mit teilweise stark mineralhaltigem Wasser hatten bereits die Römer genutzt.
- Im Jahre 700 wird Cannstatt in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen erstmals urkundlich erwähnt.
- Um 708 wird erstmals die Siedlung als „Canstat ad Neccarum" bezeichnet.
- Erhebung zur Stadt durch Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) im Jahr 1330
- Alle Bemühungen der Grafen von Württemberg im 15. Jahrhundert, den
Neckar bis Cannstatt schiffbar zu machen, scheiterten am hartnäckigen Widerstand der
damaligen Reichsstadt Heilbronn. Zwar kam 1557 mit Hilfe Kaiser Karl V. ein Vergleich zustande,
aber eine Schiffbarmachung des Neckars zwischen Cannstatt und Heilbronn war erst 1713
abgeschlossen.
- Eine Blüte erlebte die Oberamtsstadt Cannstatt im 18. und 19.
Jahrhundert als Kur- und Erholungsort für viele prominente und gutsituierte Gäste, unter ihnen beispielsweise Honoré de Balzac.
Daimlers Reitwagen von 1885
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Vision eines Zukunftshafens in Cannstatt um 1900
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- 1886 fährt Daimlers Motorkutsche mit eingebauter "Standuhr" von Cannstatt nach Untertürkheim
- Am 1. April 1905 wird die Oberamtsstadt
Cannstatt (zwangsweise) nach Stuttgart eingemeindet.
- 1933 erhält der Stadtteil den offiziellen Titel "Bad" Cannstatt.
Stadtteile
- Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahre 1956 wird der Stadtteil
Bad Cannstatt mit den Stadtteilen Burgholzhof (1831 als Gutshof angelegt), Sommerrain und Steinhaldenfeld (beide ab 1932 entstanden) zum Stadtbezirk Bad Cannstatt
vereinigt.
- Bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 wird der Stadtteil Bad Cannstatt in die Stadtteile Altenburg, Birkenäcker,
Cannstatt-Mitte, Espan, Hallschlag, Im Geiger, Kurpark, Muckensturm,
Neckarvorstadt, Pragstraße, Schmidener Vorstadt, Seelberg, Veielbrunnen, Wasen und
Winterhalde aufgeteilt. Seither verwaltet das Bezirksrathaus in Bad Cannstatt insgesamt 18 Stadtteile des Stadtbezirks Bad Cannstatt.
- Heute ist der Stadtbezirk Bad Cannstatt der größte und geschichtlich älteste Stadtbezirk Stuttgarts mit derzeit 68.175
Einwohnern (Stand 31.12.2002).
Sehenswürdigkeiten
Beginen-Klösterle von 1463
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- 1818 Karl Friedrich Sick, Hofrat (1780-1837)
- 1822 Franz Xaver Freiherr Hugo von Spitzenberg, Oberstkammerherr, Generalleutnant und
Hofjägermeister (1781-1864)
- 1822 Johann Gottlob Christof (von) Seeger, Oberamtmann und Stadtrichter (1767-1835)
- 1830 Josef (von) Dalbenden, Oberstleutnant und Kammerherr (1792-1844)
- 1830 Jakob (von) Heine. Dr., Geh.
Hofrat, Mitbegründer der Orthopädie (1800-1879)
- 1830 Henriette Heine, geb. Camerer (1807-1874)
- 1831 Gotthold Karl Georg (von) Strohin, Oberamtmann und Stadtdirektor (1791-1858)
- 1843 Elisabeth Freifrau Hugo von Spitzenberg geb. Freiin von Massenbach (1803-1857) und ihre
vier Söhne, die Freiherren:
- Wilhelm Hugo von Spitzenberg, General (1825-1888)
- Karl
Hugo von Spitzemberg, Kammerherr, Staatsrat (1826-1880)
- Alfred Hugo von Spitzemberg (1830-1848)
- Franz
Hugo von Spitzemberg, Premierleutnant (1841-1871)
- 1845 Karl Baron von Vauthier-Bailliamont, K. K. Kämmerer, Hauptmann
(1778-1856)
- um 1845 Emil Freiherr von Maucler, Oberstkarnmerherr, Oberhofratspräsident und Staatsrat (
1809-1870)
- um 1845 Julius Freiherr von Maucler, Kammerherr und Legationsrat (1811-1850)
- 1854 Wilhelm Graf von Taubenheim, Kammerherr und Oberst-Stallmeister (1805-1894)
- 1856 Albert (von) Veiel, Dr., Oberamtsarzt und Geh. Hof rat (1806-1874)
- 1879 Ernst Pfeiffer, Geh. Hofrat (1831-1904)
- 1881 Karl Wilhelm Sutorius. Kaufmann (1831-1901)
- 1888 Karl (von) Burckhardt, Dr., Hofrat und Badearzt (1818-1888)
- 1893 Rudolf (von) Vellnagel, Bankier, Geh. Hofrat und Niederländischer Generalkonsul (1840-1918)
- 1893 Karl (von) Schmid, Staatsminister des Innern (1832-1893)
- 1893 Karl (von) Leibbrand, Präsident (1839-1898)
- 1904 Oskar (von) Nast,
Oberbürgermeister von Bad Cannstatt (1849-1907)
Veranstaltungen
Karfreitag: Passionsprozession in Bad Cannstatt
Literatur
- Hagel, Jürgen: Das „Paradies des Neckars“ Bad Cannstatt; in: Kult-Bäder und Bäderkultur in Baden-Württemberg, hg. v. W.
Niess, S. Lorenz, Filderstadt 2004. (ISBN
3-935129-16-5)
Weblinks

