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| Wappen | Karte |
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| Basisdaten | |
| Bundesland: | Mecklenburg-Vorpommern |
| Landkreis: | kreisfreie Stadt |
| Fläche: | 38,97 km² |
| Einwohner: | 59.140 (31.12.2003) |
| Bevölkerungsdichte: | 1.518 Einwohner/km² |
| Höhe: | 5 m ü. NN |
| Postleitzahlen: | 18435, 18437, 18439 |
| Vorwahl: | 03831 |
| Geografische Lage: | 54° 18' 9 nördliche Breite 13° 05' 7 östliche Länge |
| Kfz-Kennzeichen: | HST |
| Gemeindeschlüssel: | 13 0 05 000 |
| Website: | www.Stralsund.de |
| E-Mail-Adresse: | info@stralsund.de |
| Politik | |
| Oberbürgermeister: | Harald Lastovka (CDU) |
Stralsund ist eine kreisfreie Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern, Landesteil Vorpommern, im
Norden Deutschlands. Die Stadt liegt am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee, und wird auf Grund ihrer Lage als Tor zur Insel Rügen
bezeichnet.
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Rundblick auf die Stadt von der Marienkirche aus
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Stralsund ist als Stadt im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern hauptsächlich vom Tourismus abhängig. Dieser bildet die Grundlage u.a. für zahlreiche Gaststätten und Beherbergungen (im Jahr 2003 wurden 294.079 Übernachtungen nur in Einrichtungen mit mehr als acht Betten gezählt), Museen, ein großes Freizeitbad, Yachtcenter, Fährbetrieb und vieles mehr.
Neben dieser Tourismusindustrie existiert in Stralsund als wichtigster Industriebetrieb die Volkswerft GmbH, eine traditionsreiche Vertreterin des Schiffbaus, in deren Umfeld sich diverse Metallbauunternehmen sowie kleinere Bootswerften angesiedelt haben.
Die Bundeswehr unterhält in Stralsund eine Marinetechnikschule.
Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte errichtete 1999 eine Dienststelle mit mittlerweile ca. 1.450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Im Stralsunder Hafen werden vor allem Stück- und Schüttgut umgesetzt, wie z.B. Salz.
Eine Fachhochschule bietet im Studienjahr 2004/2005 über 2.900 Studierenden Ausbildungen in Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Naturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Spezialstudiengänge wie Baltic Management u.a.
Die Altstadt der Hansestadt Stralsund begeistert jedes Jahr zahlreiche Besucher sowie ihre Bewohner. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde im gesamten Stadtgebiet die historische Bausubstanz durch den Einsatz privaten Kapitals sowie erheblicher finanzieller Mittel aus Bundes-, Landes- und Gemeindekassen sowie von Stiftungen saniert. Viele Häuser wurden dabei vor dem Verfall gerettet. Heute präsentiert sich insbesondere die Altstadt mit vielen sanierten Bürgerhäusern, die durch Detailtreue an Fassaden, Türen und Fenstern bestechen. Von 812 denkmalgeschützten Häusern stehen allein 526 als Einzeldenkmal ausgewiesene in der Altstadt; davon sind 374 bereits saniert, 65 werden derzeit saniert . Am 27. Juni 2002 wurde die Altstadt (zusammen mit der von Wismar) in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. (Stralsund gründete zusammen mit Wismar die Deutsche Stiftung Welterbe.)
Das am Alten Markt gelegene Rathaus mit seinem imposanten Schaugiebel schmiegt sich an die Nikolaikirche und stand einst auch als Zeichen des Selbstbewusstseins der Stralsunder Bürger gegenüber der Kirche. Es gehört zu den bedeutendsten Profanbauten der norddeutschen Backsteingotik und wurde 2004 nach einer umfangreichen Sanierung feierlich wiedereröffnet.
Das komplette Ensemble des Alten Marktes birgt mit Rathaus, Bürgermeisterhaus, Schwedische Commandantur, Gewerkschaftshaus, Plattenbau einen Überblick über politische und architektonische Geschichte.
Die oft mit hohem privaten Engagement aufwändig sanierten Bürgerhäuser mit ihren typischen Giebeln prägen das Straßenbild in den Altstadtstraßen. Das Museumshaus in der Mönchstraße wurde mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert und bietet seither als eines von Nordeuropas bedeutendsten original erhaltenen Bürgerhäusern der Hansezeit das Erleben und Begreifen der Geschichte von sieben Jahrhunderten.
Im Hafen, der zukünftig Heimat des "Ozeaneums" sein soll, werden außerhalb des für den Güterverkehr genutzten Bereichs vor allem touristische Bedürfnisse befriedigt. So legen hier die Schiffe nach Hiddensee und Altefähr sowie zu Rundfahrten ab. Die Nordmole lädt zum Spaziergang entlang von hunderten Yachten ein. Architektonisch bilden die Hafenspeicher sowie die Silhouette der Altstadt einen ansprechenden Kontrast zur Aussicht auf die Inseln Rügen und Hiddensee. Mit der Bark Gorch Fock (I) liegt zudem eine weitere touristische Attraktion im Hafen.
Drei große mittelalterliche Backsteinkirchen (Marienkirche, Nikolaikirche, Jakobikirche) zeugen von einstiger Größe und Macht Stralsunds. Heute wird die Jacobikirche ausschließlich als Kulturkirche genutzt, die beiden anderen am Alten Markt bzw. Neuen Markt gelegenen Kirchen werden weiterhin für Gottesdienste genutzt. Vom Turm der Marienkirche am Neuen Markt bietet sich ein guter Panoramablick (siehe auch Bild oben).
Von einst 22 Stadttoren sind nur noch das Kniepertor und das Kütertor erhalten. Im Kloster zum Heiligen Geist wurden einst Arme und Kranke untergebracht. Heute sind alle Wohnungen und Häuser saniert und das Areal lädt zu einem Spaziergang ein. Im Johanniskloster befindet sich das Stadtarchiv, auch finden dort regelmäßig Kulturveranstaltungen statt, wie z.B. Open-air-Theateraufführungen.
Das Deutsche Meeresmuseum im ehemaligen Katharinenkloster ist Norddeutschlands meistbesuchtes Museum und bietet Einblicke in die Welt des Wassers und seiner Bewohner. Derzeit wird als Ergänzung ein Ozeaneum im Hafen errichtet. Das Kulturhistorische Museum zeigt Ausstellungen aus der Geschichte Pommerns etc.; zudem findet sich hier der berühmte Hiddenseer Goldschmuck. Zweigstellen der Museen auf dem Dänholm (Nautineum), der Hafeninsel (Meereswelten, geplant: Ozeaneum) und dem Darß (Natureum) bieten Kurzweil und Wissen.
Das Gebiet des heutigen Nordostdeutschlands war bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts von der slawischen Volksgruppe der Ranen besiedelt. Im Jahr 1168 endete der jahrelange Zwist mit den christlichen Nachbarn im Sieg des Dänenkönigs Waldemar I. über die slawischen Fürsten der Insel Rügen, deren Besitztümer in etwa dem heutigen Vorpommern entsprachen.
Mit dem Sieg der Dänen wurden die slawischen Fürsten Lehnsherren ihrer Besitztümer ... und nahmen den christlichen Glauben an.
Die Fürsten zogen - nunmehr mit der dänischen Lehnsmacht im Hintergrund - gegen die pommerschen Umlandgebiete erbarmungslos zu Felde, was Feindschaften schuf. Derart durch die Nachbarn auf Grund ihrer Feldzüge gehasst, sannen die Landesherren darauf, ihre Macht auch auf dem Festland als Bollwerk auszubauen. Die Siedlung Strale lag strategisch günstig an der Kreuzung der Handelswege zwischen Rostock, Demmin, Rügen und Stettin. Die vorgelagerte Insel Stralow (später Dänholm), die der Stadt einmal ihren ersten Namen geben sollte, bot einen natürlichen Hafen, was einer der Gründe für die Stadtansiedlung gewesen ist. Saxo Grammaticus berichtet, dass die Dänen schon im 12. Jahrhundert die Insel Stralow als Liegeplatz für ihre Schiffe bei Kriegszügen ins Landesinnere nutzten. Auf dieser Insel befand sich lange vor der Gründung der Stadt ein slawisches Fischerdorf. Dieses Fischerdorf war im Laufe der Zeit gewachsen. Als gesichert gilt, dass es sich hier zum Zeitpunkt der Stadtgründung bereits um eine entsprechend große Siedlung handelte. Dazu kam der Umstand, dass die vorhandenen Sümpfe und Teiche (die Stadtteiche wurden erst später in ihrer noch heute bekannten Form ausgebaut) eine Verteidigung erleichterten. Nicht zuletzt war die Lage am Strelasund positiv zu werten, da sie die Zufahrt zur Ostsee nach zwei Seiten ermöglichte. Dazu kamen die reichen Heringsbestände der Gewässer, die Handel ermöglichten. Viele Kaufleute siedelten sich auch an, weil sie in den Fischbeständen der umliegenden Gewässer ihre Handelsgrundlage sahen.
Die Siedlung wurde also gefördert; mit der Christianisierung strömten Kaufleute aus dem westelbischen Raum nach Pommern, die neben ihren Erfahrungen und Beziehungen auch ihre eigenen bewährten Rechtsvorschriften mitbrachten und somit eine gute Grundlage für die Ausbildung von Handelsstrukturen schufen.
Am 31. Oktober 1234 verlieh der slawische Fürst Witzlaw I. zu Garz (Rügen) dem Fischerdorf Stralow (stral kommt aus dem Slawischen und bedeutet Pfeil bzw. Speerspitze) am Strelasund das Stadtrecht nach Lübecker Vorbild.
Dies geschah fast beiläufig mit folgendem Text:
Die Urkunde besteht lediglich aus einem 15 x 6 Zentimeter großen Pergamentstreifen. Unüblich sind aber nicht nur der spärliche Inhalt und die Größe, sondern auch, dass keine Zeugen für diesen Akt benannt sind. Die Urkunde wird im Stralsunder Stadtarchiv verwahrt.
Die Stadtgründung erfolgte von Seiten der rügenschen Fürsten natürlich nicht selbstlos: Der Handel sollte der wirtschaftlichen Entwicklung dienen und die zu erwartenden Abgaben der fürstlichen Kasse (gemäß der damals geltenden Kastellaneiverfassung unterstand ein Dorf dem jeweiligen Landvogt, eine Stadt aber direkt dem Fürsten). Beide Konzepte gingen auf. Und auch die Stralsunder Kaufleute profitierten, ging doch mit der Verleihung des Stadtrechts auch eine Zollfreiheit einher.
Im Zuge der Christianisierung folgten den Rufen der Dänen und der Rügenfürsten bald Menschen aus den westelbischen Gebieten: Niedersachsen, Westfalen, Holsteiner, Friesen, Holländer und Flandern kamen in den ostelbischen Raum. Nach und nach nahmen sie Besitz von den neuen Siedlungsräumen, wie die Gründungswelle der Städte entlang der Ostseeküste eindrucksvoll belegt.
Aus der Stadtgründungsurkunde geht hervor, dass es sich bei den Gründern Stralsunds wohl um Rostocker Kaufleute handelte (natürlich waren auch diese „Zugezogene“). Dazu kamen weitere Einwanderer. Historiker analysierten anhand der Namen im Stadtbuch von 1270 und dem Bürgerbuch ab 1319, die oft auf die regionale Herkunft deuteten, dass knapp ein Drittel aus dem direkten Umland (Festland und Rügen) stammte und zwei Drittel aus ferneren Gegenden – bis hin nach Nowgorod, Italien, Böhmen – zugezogen waren. Obwohl die Stadt auf ehemals slawisch besiedeltem Territorium lag, überwog schon bald der Anteil der Deutschen. Dabei mussten sich die Slawen bald den deutschen Zuwanderern in Sprache und Lebensweise anpassen.
Am 25. Februar 1240 stellte Fürst Witzlaw I. auf seinem Prohner Schloss eine zweite Urkunde aus, die bedeutsam für Stralsund war. Diesmal in einem längeren Text nannte Witzlaw I. nochmals die Stadtrechsverleihung nach Rostocker Vorbild. Erwähnt wurde zudem erstmals der Name Stralesund als Stadtname. Der Stadt wurden in der Urkunde das Fährdorf (antiquus navalis transitus) gegen Zahlung von 90 Mark rügenscher Münze übereignet, sowie die Insel Strale als auch Wälder und Äcker innerhalb der Stadtgrenzen geschenkt. Zusätzlich gestattete die Urkunde den Stralsundern freien Fischfang und freie Jagd (nur auf Niederwild). Sie garantierte ebenfalls Zollfreiheit im gesamten Fürstentum.
Schnell entwickelte sich die junge Stadt zu einem aufblühenden Handelsstandort. Ebenso schnell gab es Neid von Seiten der Kaufleute anderer Städte. 1249 überfiel die Hansestadt Lübeck den aufstrebenden Konkurrenten an der Ostseeküste und legte die Stadt in Schutt und Asche. Anschließend bauten die Stralsunder die Stadt wieder auf und bauten den Handel weiter aus.
Die ursprüngliche Altstadt reichte bis an die Linie der heutigen Straßen Papenstraße und Apollonienmarkt. Der Aufbau der Altstadt, ausgehend vom heutigen Alten Markt als damaligem Stadtzentrum, erfolgte mit beeidruckenden Bauten. So findet sich hier die Nikolaikirche (erstmals erwähnt 1276) sowie das direkt angrenzende Rathaus, welches ursprünglich durch viele Händler (heute würde man wohl 'Geschäfte' sagen) im langen inneren Gang geprägt war. Das Gebiet südwestlich dieser Linie gehörte zunächst weiterhin dem Rügenfürsten, der hier seine Niederlassung gründete. In diesem Teil der jetzigen Altstadt gründete Witzlaw 1251 ein Dominikanerkloster. Da die ursprüngliche Altstadt bald an ihre räumlichen Grenzen stieß, siedelten sich die Bürger schon bald auch in der Neustadt an. Diese wird 1256 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1270 war erstmals vom Neuen Markt die Rede, an welchem 1298 die Marienkirche urkundlich erwähnt wird. Diese Pfarrkirche lässt schon bald die bisherige Peter-und-Paul-Kirche in Vergessenheit geraten. Heute ist von dieser Pfarrkirche nichts mehr erhalten; vermutlich befand sie sich an der Ecke Franken- und Badstüberstraße.
Beide Teile der Stadt wurden ab 1261 durch einen gemeinsamen Befestigungsring geschützt, der Ende des 13. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Als ideal erwies sich dabei die Insellage der Stadt, die von allen Seiten durch Wasser (Strelasund, Teiche) begrenzt wurde. Insgesamt 22 Stadttore, darunter sechs Wassertore und fünf Landtore, standen tagsüber Freunden der Stadt und ihren Bürgern offen und symbolisierten ihren Feinden die Stärke und den Verteidugungswillen Stralsunds.
Da die räumliche Situation in der Altsadt auf Grund des prosperierenden Handels immer knapper wurde, begann in den 1260er Jahren die Erweiterung, die zum Ende des 13. Jahrhunderts das Zusammenwachsen von Alt- und Neustadt bedeutete.
1271 wurden große Teile der mit viel Holz gebauten Stadt durch ein Feuer (diesmal ohne Fremdeinwirkung) zerstört. Auch jetzt konnte der Wille der Einwohner nicht gebrochen werden; die Stadt wurde erneut aufgebaut - mit einem erheblich größeren Anteil an Backsteinbauten, für die Stralsund berühmt werden sollte.
Im Jahr 1269 gab Fürst Witzlaw II. urkundlich bekannt, dass er der neuen Stadt Schadegard die Stadtrechte entziehen und sie "zum Gedeihen und Nutzen seiner geliebten Bürger zu Stralsund aufgeben" werde. Rätsel winden sich noch heute um Schadegard. Einige Historiker vermuten eine Identität der Neustadt mit Schadegard. Dem steht die urkundliche Erwähnung der Neustadt als solche um 1256 entgegen. Möglicherweise lag Schadegard also nicht südwestlich, sondern nordwestlich der Altstadt und entstand als Ansiedlung rings um eine Burganlage der rügenschen Fürsten auf dem Festland. Sicher ist jedoch, dass diese neue Stadt Schadegard den Stralsundern ein Dorn im Auge war.
Obwohl sich die Stadt Stralsund recht schnell entwickelte, waren doch in den ersten 50 Jahren innerhalb der Stadtgrenze noch viele Flächen unbebaut, sogar Weiden sind verzeichnet. Die Grundlage für die Versorgung der Stralsunder mit Lebensmitteln wurde auf der so genannten Feldmark geschaffen, deren Äcker, Weiden und Gärten Bürgern der Stadt sowie so genannten Ackerbürgern gehörten.
Sowohl die Herstellung von Lebensmitteln (Getreide z.B. wurde zum Teil direkt in der Stadt verarbeitet, wie noch heute der Name Mühlenstraße belegt) als auch die zahlreichen anderen Gewerke waren zumeist in kleineren Betrieben angesiedelt.
Die Stralsunder Ziegeleien allerdings produzierten gewaltige Mengen, was vor allem auf der großen Nachfrage nach dem Wiederaufbau der Stadt in Backstein nach dem 1271er Stadtbrand und auf die Errichtung der steinernen Wehr zurückzuführen ist. Das erste Stadtbuch zählt im Jahr 1283 drei Ziegeleien.
Das Bierbrauen erfolgte offenbar ebenfalls in großem Stil, wie das Vorhandensein eines Hopfenmarktes und die grundsätzlich große Bedeutung der Bierherstellung auch für den Export vermuten lassen.
Ebenso war natürlich der Charakter als Seestadt prägend für weitere Handwerkszweige. An erster Stelle sollte das Schiffbauerhandwerk erwähnt werden. Die ersten Aufzeichnungen der Stralsunder Geschichte berichten zwar erst 1393 von acht Werften auf dem Gebiet der heutigen Frankenvorstadt. Aus anderen Aufzeichnungen jedoch kann geschlossen werden, dass schon vor der Stadtgründung Schiffe gebaut worden sind. Aus Wismar ist belegt, dass dort um 1284 Stralsunder Schiffe gekauft worden sind.
Aber auch alle Handwerke rings um Schiffbau und Handel hatte sich in Stralsund angesiedelt, so beispielsweise Böttcher, denn der Handel mit nahezu allen Produkten erfolgte damals in Tonnen und Fässern.
Des weiteren gab es natürlich Fischer, Fleischer, Bäcker, Schneider, Schuhmacher, Gerber, Weber, Färber, Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Korbmacher, Kesselmacher, ...
In der Politik spielten die Handwerker keine bedeutende Rolle. Das Lübsche Stadtrecht untersagte die Mitgliedschaft von Angehörigen der Handwerkerschaft im Rat der Stadt. Dies führte im Laufe der Jahre immer wieder zu Zwistigkeiten mit den Kaufleuten, die im Rat die Geschicke der Stadt bestimmten.
Die unbestreitbar wichtigste Rolle spielte aber schon von Beginn an die Gilde der Kaufleute. Diese exportierten vor allem landwirtschaftliche Produkte, Brenn- und Bauholz, Fisch, Tran, Getreide, Hopfen, Rinder und Schweine sowie Bier. War anfangs noch der Handel hauptsächlich auf die einheimischen Produkte beschränkt, wurde die Palette alsbald insbesondere im Fernhandel erweitert und umfasste bald schon Nowgoroder Pelze und Wachs, lettischen und estnischen Hanf, schonische Heringe, englische Wolle, flandrische Tuche, schwedisches Eisen, preußisches Getreide und vieles andere mehr. Die Stralsunder Kaufleute waren dadurch zu Zwischenhändlern geworden, was mehr Profit versprach.
Eingedenk der Tatsache, dass Stralsund auf dem Gebiet eines dänischen Lehens lag, war es nahezu selbstverständlich, dass die Stralsunder ihre ersten Handelsbeziehungen nach dort knüpften. Nachgewiesen sind diese erstmals im Jahr 1249. Für dieses Jahr belegte eine Urkunde, dass schiffbrüchige Schiffer aus den rügenschen Fürstentümern vom Strandrecht auszunehmen waren.
Sehr wichtig für die Kaufleute der Stadt waren die Beziehungen nach Flandern. Brügge galt damals als größter Handelsort nördlich der Alpen, die flandrischen Tuche waren extrem wertvoll. Allerdings galt das Interesse nicht nur den Tuchen, sondern auch dem Aufbau und der Pflege von Handelsbeziehungen zu Kaufleuten aus England, Spanien, Italien, Frankreich und dem süddeutschen Raum.
Wichtigste Gilde der Kaufmannschaft war zu damaliger Zeit auch in Stralsund die der Gewandschneider.
Handelsbeziehungen existierten ferner nach England und Schweden. Probleme bereiteten die Beziehungen nach Norwegen. Dafür lief das Geschäft mit Händlern aus dem baltischen Raum hervorragend, Nowgorod, Riga, Reval und Pskow waren die Ziele der Fernreisen. Dass gerade der Handel mit Nowgorod bedeutende Gewinne erbrachte zeigt noch heute das Nowgorodfahrergestühl in der Nikolaikirche.
Die erstarkende Wirtschaftskraft brachte den Vorteil mit, dass sich die Stralsunder von ihren Landesherren, den rügenschen und später den pommerschen Fürsten, diverse weitreichende Privilegeien erkaufen konnten, die schon bald zu einer Fast-Autonomie führten. Allerdings blieb Stralsund der rechtliche Status einer Freien Stadt, wie ihn Lübeck oder Hamburg erreichten, immer verwährt - dafür spielte Stralsund eine zu große strategische Rolle in den Plänen der jeweils Herrschenden.
Um den Handel und die Verteidigung besser organisieren zu können, wurde 1293 ein Städtebündnis mit Lübeck, Wismar, Rostock und Greifswald geschlossen. Damit wurde gleichzeitig der Grundstein der Städtehanse (Hanse = Bund) gelegt.
Immer wieder kam es zu militärisch geführten Auseinandersetzungen zwischen den dänischen Königen und den Hansestädten. Als zum Beispiel der dänische König Erik Menwed die Hansestädte belagerte, konnten dabei die Stralsunder nach einem Überraschungsangriff den Fürsten gefangennehmen und das Lösegeld für den teuren Gefangenen reichte aus, um den Schaugiebel des Rathauses am Alten Markt zu finanzieren.
Die Politik der Stadt wurde in jener Zeit stark von den Kaufleuten geprägt. Sichtbarstes Zeichen für ihre Macht war das Wulflam-Haus am Alten Markt, direkt gegenüber des Rathauses. Hier residierte die Familie Wulflam. Bertram Wulflam war ab 1364 Bürgermeister der Hansestadt und lenkte die Geschicke auch in seinem Sinne.
Die Dänen gaben den Kleinkrieg gegen die Hanse erst auf, als diese nach einem fast zehnjährigen Konflikt am 24. Mai 1370 im "Frieden zu Stralsund" ihren Sieg und eine Art "friedliche Koexistenz" besiegelte. Die Tatsache, dass dieser Frieden in Stralsund besiegelt wurde, spricht für die herausragende Bedeutung der Hansestadt. Somit stand einer weiteren Blüte der Hanse nichts mehr im Weg.
Bereits im Jahre 1391 trat in Stralsund eine Stadtverfassung in Kraft, die sehr umstritten war. Sie galt allerdings nur für zwei Jahre. Die gewährten Freiheiten
für die Bürgerschaft waren dem Rat der Stadt ein Dorn im Auge.
Neben den Auseinandersetzungen mit fremden Mächten waren auch ständige Streitigkeiten mit den Feudalherren und den Kirchenfürsten - vor allem um Privilegien, Abgaben und Mitbestimmung - zu verzeichnen. So waren 1407 dem Kirchherrn Kord Bonow von St. Nikolai die Einkünfte aus der Stadt zu gering. Bonow ließ daraufhin am 6. Oktober 1407 eine knapp 400 Mann starke Truppe in der Stralsunder Feldmark plündern. Dies stieß bei den Stralsundern auf wenig Verständnis und führte bereits am 7. Oktober zum Papenbrand thom Sunde: Die aufgebrachten Stralsunder Bürger verbrannten drei Geistliche auf dem Neuen Markt. Das hatte allerdings ein recht teures Nachspiel: In schwierigen Verhandlungen mit der Kirche (hier sogar mit dem Papst) wurde die Stadt zur Sühne verurteilt, die unter anderem den Bau einer Kapelle neben der Marienkirche beinhaltete.
In Stralsund wurde 1488 die "Schiffercompagnie" gegründet, ein Zusammenschluss aller Stralsunder (und auch auswärtiger) Seeleute zur Sicherung ihrer Interessen - und eine Einrichtung der Hinterbliebenenvorsorge für die Witwen und Waisen der auf See Gebliebenen.
Wie in ganz Deutschland brachte auch in Stralsund die Reformation große Umwälzungen und Spannungen mit sich. 1523 wurden die ersten Predigten der reformierten Kirche in der Stadt am Strelasund gehalten. Hier machten sich die Pastoren Ketelhot und Kureke für die Reformation stark. Diese Lehren kamen in der Bevölkerung schnell an. Natürlich gab es auch Gegner der Reformation. Neben vielen Geistlichen (Henning Budde, Guardian des Franziskanerklosters, wollte die Anhänger der Reformation vernichten, selbst wenn man to Stralesunt bet an de enkel im blode gan würde) sperrte sich auch der Rat der Stadt dagegen. Infolgedessen bildete sich ein 48er Ausschuss, der über dem Rat regieren und die gesamte Bürgerschaft vertreten sollte. Dies war das Ende der Alleinherrschaft des Rates.
Am 10. April 1525 stürmte die Stralsunder Bevölkerung die Kirchen und Klöster. Bei diesem Kirchenbrechen wurden Bilder, Altäre und anderes von den Massen zerstört. Die Reformbewegung verurteilte dies aufs Schärfste.
Bereits in der 1525 angenommenen Kirchen- und Schulordnung war das reformatorische Gedankengut als Geist der neuen Zeit zu spüren.
Zum Ende des 16. Jahrhunderts verblühte die Hanse, neue Handelswege ließen die wirtschaftliche Bedeutung des einst mächtigen Bundes schwinden. Die Bevölkerung der Hansestadt am Sund wuchs jedoch weiter an.
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