Revolution
Revolution (v.frz.: révolution Umwälzung; aus lat.: revolvere zurückwälzen) wird in unterschiedlichen
Wissenschaften behandelt.
Revolution (Soziologie)
Allgemein
Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie einen meist gewalttätigen und immer radikalen Umsturz
(-versuch) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse innerhalb kurzer Zeit, der von einer organisierten
(nicht notwendig geheimen) Gruppierung von Neuerern getragen wird und die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile findet
(vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung).
Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein
eng verknüpftes soziales Netzwerk (gegebenenfalls mit relativ
geringfügiger Massenbasis) die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch. Hier wird der "Revolutions"-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt.
Der Begriff "Revolution" wird auch verwandt, wenn dem sozialen
Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde "Neolithische Revolution" (vgl. Steinzeit), für den Siegeszug des Kapitalismus oder
für die Industrielle Revolution (s.a. Industrialisierung).
Gründe für Revolutionen der Geschiche
- "Die heutige Revolutionstheorie stellt fünf Hauptfaktoren besonders heraus, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung
einer Revolution darzustellen scheinen. Dabei ist vom Sonderfall der Entwicklungsländer abzusehen. Erstens eine plötzliche
Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft. Zweitens ein
Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt. Drittens die Solidarisierung verschiedener Gruppen der
Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der
alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringt keine Revolution
zustande. Viertens eine Ideologie. Fünftens Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, das Staates."
(Weis, Der Druchbruch des Bürgertums, 1982, 96 f.)
Soziologische Theoretiker/innen der "Revolution"
- Vilfredo Pareto (Revolution als eine besondere Form der Elitenablösung),
- Max Weber (in Europa/Nordamerika bedurfte der Kapitalismus anfangs einer radikalen nichtwirtschaftlichen - religiösen - Mentalitätsänderung, und zwar
in Gestalt des Protestantismus),
- Eugen
Rosenstock-Huessy (die europäischen Revolutionen als Abfolge von Ständerevolutionen,
beginnend mit der "papalen Revolution" des Papsttums gegen das mittelalterliche
Kaisertum und endend mit der "proletarischen Revolution"),
- Ralf Dahrendorf ("Revolution" als radikaler und rapider sozialer Wandel, bedingt
durch intensive beziehungsweise gewaltsame soziale Konflikte),
- Theda Skocpol (nachhaltige
Revolutionen sind vor Allem Bauernrevolutionen)
und andere mehr.
Theoretisch argumentierende Revolutionär/inn/e/n
- Karl Marx (jede Gesellschaft, in der eine Form des "Besitzes an
Produktionsmitteln" es erlaubt, sich menschliche Arbeit
zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind "Revolutionen der Produktivkräfte" von
den durch sie ausgelösten "Revolutionen der Produktionsverhältnisse"),
- Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste
die erste Revolution aus, die die "Wildheit" (menschliche Urzeit) beendete und die der Beginn der Geschichte war, und werden durch die letzte Revolution optimal disponiert
werden, in der das Ende der Geschichte - das Ende "des Reiches der Notwendigkeit" - und der Beginn des "Reiches der
Freiheit" möglich werden wird),
- Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus - im Bündnis mit dem Proletariat der
Kolonialmächte - vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution),
- Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden),
sowie Danton, Marat,
Saint-Just, Robespierre, Napoléon, Bakunin, Mahatma Gandhi, Mao Zedong, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Símon Bolívar,
Fidel Castro, Che
Guevara, Guy Debord und andere Revolutionäre des 19. und 20.
Jahrhunderts.
Soziologisch begabte Praktiker der Revolution
Radikaler und rapider sozialer Wandel ("Revolutionen") knüpfte sich auch an erfolgreiche politische Persönlichkeiten, deren
soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war,
wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Cäsar, in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Bolivar oder
Atatürk.
Soziale Revolutionen im weiteren Sinne
Politische Revolutionen
Geistige Revolutionen
Inflationierte "Revolutions"-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen).
Technische Revolutionen (marxistisch: "Revolutionen der Produktivkräfte")
Siehe ferner
Bürgerkrieg, Dialektik, Evolution, Katastrophe, Reform, Revolution (Jugendorganisation), Sozialer Wandel, Staatsstreich.
Revolution (Politologie)
Siehe Revolution (Politik).
Revolution (Astronomie)
In der Astronomie (veraltet) ist eine Revolution die Umlaufbewegung
der Planeten um die Sonne – von hier wurde der
Ausdruck Revolution generell übernommen.
Revolution (Spiel)
- beim Skatspiel die Variante "Null ouvert Hand", bei dem die gegnerischen Spieler die Karten austauschen dürfen. Nur bei Hobbyrunden, nicht in den
offiziellen Skatregeln (da es sowieso nur angesagt wird, wenn es nicht verloren werden kann).
- Alternative zu bekannten Quizsendungen: Wer wird Revolutionär?
Weblinks

