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Rassismus bezeichnet eine Ideologie oder weltanschauliche Überzeugung, nach der Menschen anderer Rassen oder auch ethnischer Gruppen gegenüber der eigenen als minderwertig einzustufen sind. Die Abqualifizierung wird häufig mit pseudowissenschaftlichen "Erkenntnissen" über die angebliche biologische und vor allem intellektuelle Überlegenheit der eigenen Rasse zu stützen versucht.
Rassismus bezeichnet auch das reale Machtgefälle und die Diskriminierung einer als "Rasse" deklarierten Gruppe durch eine andere. Einen Menschen, der solche Macht und Diskriminierung anderer Menschen ausübt, bezeichnet man als Rassisten.
Diese Form der Unterdrückung und Ausbeutung ist besonders seit Beginn der Neuzeit dokumentiert. Ihre Wurzeln reichen aber weit in die Antike zurück.
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Die willkürliche Einteilung von Menschen in besondere Gruppen, die sich abgrenzen, ist uralt. Aber erst die Neuzeit hat versucht, Rassismus wissenschaftlich zu begründen. Die moderne Biologie und Genetik im Gefolge von Charles Darwin schien dazu Anhaltspunkte zu liefern.
Die biologische Ableitung von Rassen ist jedoch gerade durch Darwins Entdeckungen gescheitert. Die faschistischen Bemühungen darum genügten allesamt keinen wissenschaftlichen Kriterien. Seit 1945 wird nicht nur jede genetische, sondern auch jede soziologische Ableitung der Kategorie "Rasse" nachvollziehbar in Frage gestellt:
Die Verknüpfung von Körpermerkmalen mit Charaktertypen und deren Rangordnung ist also eine völlig willkürliche Wertung. Rassismus ist damit als unwissenschaftliche Ideologie erwiesen. Diese ist interessengeleitet und dient der Ab- und Ausgrenzung von anderen Menschen.
Nach 1945 trat offener Rassismus in der Wissenschaft zurück. Er wurde aber dennoch sozialpolitisch weiter vertreten. Der kulturalistische "Neorassismus" versucht, die "Kultur" als gruppenspezifisch geprägten menschlichen Umgang mit der Umwelt zum natürlichen, unveränderlich der Person anhaftenden Merkmal zu erklären.
Diverse sozialwissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass auch diese Neuauflage des Rassismus wissenschaftlich unhaltbar ist: Personen können neue Umgangsformen entwickeln, ihr Umfeld wechseln oder ihren Umgang damit verändern (siehe Migration, Integration, Multikulturalismus).
Allerdings sind Rassisten für eine empirische Überprüfung ihrer Annahmen meist unzugänglich. Denn sie verallgemeinern und verabsolutieren reale oder fiktive Unterschiede zu Werturteilen, um soziale Privilegien zu rechtfertigen. Dahinter stehen oft irrationale unbewusste Ängste vor "Überfremdung", Prestige- und Machtverlust. Diese werden in Form von Aggression gegen Andere kompensiert und abzubauen versucht. Deshalb gefährdet Rassismus das menschliche Zusammenleben in jeder Gesellschaftsform.
Noch gefährlicher ist allerdings die Instrumentalisierung dieser Ängste zum Erlangen und Ausüben von Herrschaft. Solche Absichten geben dem Rassismus oft erst das soziale Umfeld, in dem er gedeihen kann. Sie tarnen sich selbst als "tolerant" und vermeiden rassistisches Vokabular zu Gunsten von unverfänglicheren Begriffen wie "Kulturunterschieden" (Rassismus ohne Rassen). So werden rassistische Verhaltensmuster verharmlost und zu "berechtigten Anliegen" aufgewertet, um eigene politische Zwecke zu erreichen.
Der französische Philosoph Étienne Balibar nennt dieses Phänomen "Rassismus ohne Rassen".
Wissenschaftler wie der Humanbiologe Horst Seidler halten die Verwendung des Begriffs Rasse beim Menschen für überholt. Diesen Forschungen zufolge ist die Kategorie Rasse mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar. Zudem wird aufgezeigt, aus welchen ideologischen Traditionen sie entstand und weist nach, dass der Begriff von Beginn an eingesetzt wurde, um Menschen nicht nur zu klassifizieren, sondern auszugrenzen, zu benachteiligen und zu unterdrücken.
In der politischen Diskussion gängig und international anerkannt ist z. B. die UNO-Definition laut International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination. Adopted and opened for signature and ratification by General Assembly resolution 2106 (XX) of 21 December 1965 entry into force 4 January 1969, in accordance with Article 19.
Dort heißt es im Part I Article I (1):
Zu beachten ist, dass damit nicht Aussagen über Rassen als Diskriminierung erfasst sind, sondern nur Maßnahmen mit der konkreten praktischen Folge, dass Menschenrechte und Grundfreiheiten nicht gleichberechtigt ausgeübt werden können.
Obschon rassistische Praktiken und der Kampf gegen sie recht alt sind, ist der Begriff Rassismus selbst relativ jung. Er wurde im Bezug auf die NS-Rassenlehre bzw. die politische Auseinandersetzung mit völkischen Theorien im Deutschland der 20er und 30er Jahre geprägt. Erstmals wurde der Begriff vom Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld in einer im englischen Exil publizierten Schrift verwendet. Die erste Definition stammt von der Amerikanerin Ruth Benedikt, deren Buch "Rassismus" 1946 erstmalig in deutscher Sprache erschien. Seither hat es zahlreiche Versuche der Neudefinition gegeben, denen eine Tendenz gemeinsam ist: Je moderner eine Definition ist, desto weniger spielt die Existenz von Rassen im biologischen Sinne eine Rolle. Ist in den ersten Definitionen noch die Existenz von Menschenrassen unumstritten und Rassismus eine Form der Verfolgung oder Selbstbeweihräucherung tatsächlicher biologisch gedachter Gruppen, so verschwindet die Bedeutung der Biologie in modernen Definitionen nahezu.
Als die Spanier Amerika eroberten, kam es wiederholt zum Streit über die Behandlung der Ureinwohner. Vor allem Bartolome de Las Casas, der selbst in den Kolonien lebte, kreidete wiederholt die menschenunwürdige Behandlung der Indios durch die Spanier an. ("...dass unsere Spanier für sie [die Indianer] nicht mehr Beachtung übrig haben als für Tiere.") Der Streit gipfelte im Disput von Valladolid in der Frage, ob "Indios" Menschen seien. Sepulveda vertrat die Ansicht, die "Indios" seien den Spaniern unterlegen wie die Affen den Menschen. Den theoretischen Rückhalt hierfür holte er sich von Aristoteles Theorie der natürlichen Sklaverei, der einigen Menschen die Vernunftfähigkeit abgesprochen und ihre "natürliche" Unterlegenheit postuliert hatte. Der Disput blieb allerdings ohne politische Auswirkung.
Die Verschleppung und Versklavung von Afrikanern in Amerika war Ausdruck einer rassistischen Ideologie. So wurden verschiedene rassistische Stereotype manifestiert: Einerseits jenes des "edlen Wilden" - Indianer seien noch so unverdorben, so weise und freiheitsliebend, dass sie in der Sklaverei einfach nicht leben können. Auf der anderen Seite prägte die Geschichte auch das Bild des starken, bestialischen Afrikaners, der eigentlich gerne arbeitet und "von Natur aus" untertänig sei.
Die Dominanz christlicher Akteure in den Südstaaten Nordamerikas führte hier zu absonderlichen Debatten, die um die Frage der Abkunft der Schwarzen von Adam und Eva kreisten. Die Vertreter der Monogenese, die davon ausgingen, dass Adam und Eva weiß waren, erklärten, dass farbige Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradies entstanden. Die Vertreter der Polygenese vertraten die Auffassung, dass Gott mehrere unterschiedliche Urpaare geschaffen habe. Aus beiden Auffassungen lässt sich Rassismus ableiten. Im einen Fall als Änderung des göttlichen Planes, im zweiten Fall als gewollte göttliche Separation.
Die Sklavenbefreiung in den Südstaaten Nordamerikas führte nicht zu einem Ende der Rassendiskriminierung dort, sie veränderte sie nur. Zahlreiche rassistische Praktiken waren bis zur Bürgerrechtsbewegung in den USA gültig. Erst 1964 wurde die Diskriminierung von Schwarzen rechtlich untersagt. Doch auch heute noch sind die Lebenschancen, Bildungsmöglichkeiten etc. dort nach der tradierten Linie zwischen weiß und farbig ungleich verteilt, rassistische Ausschlussformen nach wie vor vorhanden.
Nach der Sklavenbefreiung dort entstand der Ku Klux Klan, eine der bekanntesten noch bestehenden Rassistenvereinigungen der Welt.
Seinen ideellen Höhepunkt fand der Rassismus im Imperialismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Klischee- und Überheblichkeitsvorstellungen seitens europäischer Literaten und Publizisten waren damals an der Tagesordnung, auch wenn Gewalt gegenüber Mitgliedern anderer "Rassen" selten explizit gutgeheißen wurde. Extremer Vertreter des Rassismus und auch des Sozialdarwinismus war Houston Stewart Chamberlain, der die Auffassung vertrat, die germanische Rasse sei zum Retter der Menschheit auserkoren. Damit legte er auch Fundamente für den aufkeimenden Nationalsozialismus.
In der Weimarer Republik war neben der antisemitischen Propaganda besonders die Agitation gegen die Besetzung des Rheinlandes von rassistischer Begleitmusik durchzogen und dieses nicht nur in den Kampfblättern der extremen Rechten. Anlass boten hier besonders die z.T. aus Afrika stammenden Truppen der französischen Besatzungsarmee. Die von einigen schwarzen Soldaten gezeugten Kinder wurden als Gefahr für die deutsche Rassenreinheit angesehen. Die betroffenen Kinder wurden als so genannte 'Rheinlandbastarde' später von den NS-Behörden erfasst und vielfach zwangssterilisiert.
Rassismus war Teil der Ideologie des Nationalsozialismus. Man ging davon aus, dass es höherwertige und minderwertige Menschen gibt. Hochwertige Menschen konnten dabei nur aus der 'Herrenrasse' stammen. Die Mitglieder dieser 'Herrenrasse' hatten die Aufgabe, ihre Rasse 'reinzuhalten', weshalb sexueller Kontakt zwischen Angehörigen der 'hohen' und der 'minderwertigen' Rasse verhindert werden sollte. Bestimmten, von den Nazis als "Rasse" definierten Gruppen wie Juden, Roma oder Sinti unterstellten sie, dass diese "die Herrenrasse" zersetzen wollten.
Die Opfer des NS-Rassismus wurden verfolgt, zwangssterilisiert, deportiert und ermordet. Die gesamte Gesundheitsvorsorge, Sozialpolitik sowie die Bevölkerungspolitik wurde in ein "rassenhygienisches" Programm verwandelt, das bis hin zu Eheschließungen nahezu jeden erreichte. Teil dieses rassistischen Programms waren auch Ahnenpässe, die sich in vielen deutschen Familien heute noch finden. Der aufgrund dieser Ahnenpässe zu führende Ariernachweis bzw. der Große Ariernachweis war Bedingung z.B. für eine Karriere bei der SS. Ohne die Zusammenarbeit von NS-Stellen und Kirchengemeinden, die aufgrund der Kirchenbücher (mit ihren Eintragungen zur Geburt) an dieser Erfassung mitwirkten, wäre diese Arbeit nicht zu bewältigen gewesen.
Natürlich richtete sich der NS-Rassismus nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Kulturgüter, z.B. Jazz wurde als "Negermusik" diffamiert und verworfen.
In der heutigen Zeit ist Rassismus in erster Linie in Form von Xenophobie vorhanden. Dies geschieht meist ohne Rassenbegriffe, dafür teilweise unter Bemühung des Begriffes Ethnopluralismus. Es ist rassistisch denkenden Menschen häufig nicht bewusst, dass sie rassistisch denken.


