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Die nach dem Monat ihres Beginns benannte Märzrevolution umfasste eine Reihe von bürgerlich-demokratischen und nationalistischen Erhebungen, die durch die französische Februarrevolution 1848 ausgelöst wurden und von März 1848 bis Juli/August 1849 viele europäische Länder, darunter besonders die Staaten des Deutschen Bundes erfassten.
Dort begannen sie Anfang März 1848 zuerst im Großherzogtum Baden und griffen innerhalb weniger Tage und Wochen auf die übrigen deutschen Fürstentümer über. Bezogen auf die deutschsprachigen Brennpunkte wird die Märzrevolution oft auch als „Deutsche Revolution“ bezeichnet. Zusammengefasst mit der Februarrevolution in Frankreich und Erhebungen in anderen Staaten und Provinzen in Europa werden die Ereignisse meist unter der Bezeichnung „Revolution(en) von 1848/49“ subsumiert.
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Die Revolutionäre in den deutschen Staaten strebten politische Freiheiten im Sinne demokratischer Reformen und die nationale Einigung Deutschlands an. Sie vertraten vor allem die Ideen des Liberalismus. Dieser spaltete sich jedoch im weiteren Revolutionsverlauf und danach zunehmend in verschiedene, sich auch widersprechende Richtungen auf: zum Beispiel sozialliberale oder nationalliberale Parteien.
Stark an den revolutionären Aktivitäten und Aufständen vor Ort beteiligt waren auch Kreise mit radikaldemokratischen, sozialrevolutionären, frühsozialistischen bis hin zu anarchistischen Zielvorstellungen. Diese konnten sich aber in den bestimmenden Gremien und Parlamenten der Revolution nicht durchsetzen.
Außerhalb des Deutschen Bundes strebten Länder und Regionen, die dem Habsburgerreich Österreich angegliedert waren, die Unabhängigkeit von dessen Vorherrschaft an. Dazu gehörten Ungarn, Böhmen, die polnischen Provinzen sowie die oberitalienischen Städte und Staaten. Zudem wollte sich das polnische Posen von der preußischen Herrschaft lösen.
In den meisten dieser Staaten wurde die Revolution spätestens 1849 niedergeschlagen. In Frankreich hielt sich die Republik bis 1851/52. Nur in den Königreichen Dänemark und Sardinien-Piemont überdauerten Revolutionserfolge längere Zeit: So hielten sich die durchgesetzten Verfassungsänderungen in Konstitutionelle Monarchien auch bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die sardinische Verfassung wurde zur Grundlage für das 1861 durchgesetzte Königreich Italien (vgl. Risorgimento).
Obwohl die Märzrevolution mit ihren grundsätzlichen Veränderungsanliegen scheiterte und in eine Periode der politischen Reaktion mündete, setzte sich mit ihr in der historischen Betrachtung das wohlhabende Bürgertum durch und wurde endgültig zu einem politisch und wirtschaftlich einflussreichen Machtfaktor neben der Aristokratie. Spätestens ab 1848 wurde die Bourgeoisie, im engeren Sinn das Großbürgertum, zur ökonomisch herrschenden Klasse der Gesellschaften Zentraleuropas. Begonnen hatte dieser Aufstieg mit den politischen und sozialen Kämpfen seit der französischen Revolution von 1789.
Die Revolution(en) von 1848/49 prägten die politische Kultur und das pluralistische Demokratieverständnis der meisten Staaten Zentraleuropas in der Moderne langfristig und nachhaltig: bis heute besonders in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Ungarn, Polen, Dänemark, der Tschechoslowakei bzw. im heutigen Tschechien und der Slowakei. Mit diesen Ereignissen begann der Siegeszug der bürgerlichen Demokratie, der auf lange Sicht die spätere historische, politische und soziale Entwicklung ganz Europas bestimmte.
Auch gab die Märzrevolution in zwischenstaatlichen Grundzügen bereits erste Impulse für die Entwicklung der Europäischen Union (EU) im späten 20. Jahrhundert. So vertrat der italienische Revolutionär Giuseppe Mazzini während der revolutionären Wirren um 1848 bereits ein "Europa der Völker". Er stellte diese Utopie gegen das Europa der autoritären Fürstentümer und nahm damit die Grundidee der EU schon vorweg.
Ein unmittelbarer Vorbote der Märzrevolution in Deutschland war das Krisenjahr 1847, dem eine schwere Missernte 1846 vorausging. In den deutschen Staaten bedeutete dies eine Verteuerung der Lebensmittel, daraus folgend Hungersnöte und Hungerrevolten in fast allen deutschen Staaten und Regionen. Viele auch ärmere vom Pauperismus (vorindustrielle Massenarmut) betroffene Bevölkerungsschichten wie Arbeiter, verarmte Handwerker, Landarbeiter usw. schlossen sich bedingt durch ihre soziale Not daraufhin zunehmend den Forderungen demokratisch und liberal gesinnter Kreise an. Eine weitere Folge der Krise war außerdem die Abnahme der Kaufkraft bei Industrieprodukten, hier besonders Textilwaren, und daraus resultierend u.a. ein Niedergang des noch stark handwerklich dominierten Textilgewerbes (Textilindustrie).
Der Niedergang des deutschen Textilgewerbes, das in den deutschen Ländern noch von minimal bezahlter Heimarbeit vieler Familien für wenige reiche Unternehmer und Grundbesitzer geprägt war; und allgemein die Krise des Handwerks, war auch bedingt durch die fortschreitende industrielle Revolution in Europa, die schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts durch neue technische Erfindungen und Entwicklungen von England ausgehend nach und nach die sozialen, wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse auf dem ganzen Kontinent grundlegend veränderte. Die noch vorherrschende Agrarwirtschaft ging langsam zurück. Immer mehr Menschen suchten in den schnell wachsenden Städten Arbeit in Manufakturen und den neu entstehenden Fabriken, wo durch rationellere Massenproduktion viele Produkte billiger hergestellt werden konnten.
Eine neue Bevölkerungsschicht, das Proletariat (die abhängig beschäftigte Arbeiterklasse), wuchs rasch an. Die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Industriebetrieben und deren Umfeld waren im 19. Jahrhundert in der Regel katastrophal. Die meisten Arbeiter lebten in den Ghettos und Slums der Städte am Rande oder oft auch unter dem Existenzminimum, von Arbeitslosigkeit bedroht und ohne soziale Absicherung. Schon Jahre vor der Märzrevolution war es immer wieder auch zu kleineren regional begrenzten Aufständen gegen Industriebarone gekommen. So war etwa der Weberaufstand vom Juni 1844 in Schlesien, eine Hungerrevolte der Weber aus Langenbielau und Peterswaldau, der erste überregional bedeutsame Aufstand des deutschen Proletariats in Folge der sozialen Not, die durch die Industrialisierung verursacht war. Der Aufstand wurde jedoch schon nach wenigen Tagen durch preussisches Militär niedergeschlagen.
Auch das wohlhabendere Bürgertum sah sich zunehmend in seiner wirtschaftlichen Entwicklung eingeschränkt. Durch die Zollpolitik der Fürstentümer waren die Möglichkeiten des freien Handels stark begrenzt. Forderungen nach einer Liberalisierung der Wirtschaft und des Handels waren in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auch in den deutschen Staaten immer lauter geworden. 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet, wodurch der Handel in den deutschen Ländern vereinfacht wurde. Es war daraufhin Ende der 1830er Jahre auch insgesamt zu einem gewissen wirtschaftlichen Aufschwung gekommen. Jedoch veränderte sich an der sozialen Not der ärmeren Schichten der Bevölkerung kaum etwas.
Ein wesentliches Ziel der Märzrevolution war auch die Überwindung der Restaurationspolitik in den Jahren des Vormärz, der Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Beginn der Märzrevolution 1848. Der wichtigste Verfechter der politischen Restauration war der reaktionäre österreichische Diplomat und Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich. Die Politik der Restauration, die auf dem Wiener Kongress 1814 / 1815 am 9. Juni 1815, - noch unmittelbar vor der endgültigen Niederlage Napoléon Bonapartes bei der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815), - von den meisten europäischen Staaten beschlossen wurde, sollte innenpolitisch und zwischenstaatlich die politischen Machtverhältnisse in Europa wiederherstellen, wie sie vor der französischen Revolution von 1789 geherrscht hatten. Dies bedeutete Vorherrschaft des Adels und Wiederherstellung seiner Privilegien. Weiterhin sollte die napoleonische Neuordnung Europas, die mit dem Code Civil auch bürgerliche Rechte etabliert hatte, rückgängig gemacht werden.
Innenpolitisch wurden im Zuge der Restauration Zensurmaßnahmen verschärft, die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Die Werke des Jungen Deutschland, einer Gruppe junger revolutionär eingestellter, auch nicht unbedingt immer nationalistisch eingestellter Schriftsteller und Dichter wie Heinrich Heine, Georg Herwegh, Georg Büchner (der mit der Flugschrift der Hessische Landbote die Parole „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ verbreitete) oder von Heinrich Hoffmann von Fallersleben (dem Textverfasser des Deutschlandlieds), wurden zensiert oder verboten, und allgemein Forderungen nach liberalen Reformen oder nach nationaler Einigung unterdrückt.
Die studentischen Burschenschaften waren zu dieser Zeit vor allem Träger der Forderung nach nationaler Einigung und nach demokratischen Rechten. Bereits im Oktober 1817 hatten sie bei einer größeren Demonstration aus Anlass des vierten Jahrestags der Völkerschlacht bei Leipzig und des 300ten Jahrestags der Lutherischen Reformation in der Nähe der Wartburg, dem so genannten Wartburgfest, vehement die Forderung nach der Deutschen Einheit vertreten. Dabei kam es auch zu einer öffentlichen Bücherverbrennung, als eine Minderheit der Demonstranten Werke so genannter "undeutscher", als reaktionär bezeichneter Schriftsteller, darunter zum Beispiel August von Kotzebues "Deutsche Geschichte" verbrannte. Heinrich Heine, selbst ein demokratisch gesinnter Dichter des Vormärz, kommentierte diesen Akt kritisch mit seinem berühmt gewordenen Satz "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen".
Entsprechende vom Wartburgfest inspirierte Aktivitäten machten die staatlichen Behörden auf die Burschenschaften aufmerksam, die darauf zunehmenden Repressionen ausgesetzt waren. Gesetzesform erhielten diese Repressionen 1819 als Karlsbader Beschlüsse, die eine Reaktion auf die Ermordung des Dichters August von Kotzebue durch den radikaldemokratischen und nationalistischen Burschenschaftler Karl Ludwig Sand waren. Trotz Verbot und Verfolgung blieben Mitglieder der Burschenschaften oft im Untergrund aktiv. Teilweise wurden scheinbar unpolitische Tarnorganisationen auf- und ausgebaut wie etwa die Turnerbewegung des Turnvater Jahn, wo weiterhin liberale und nationale Ideen gepflegt wurden.
Die Julirevolution von 1830 in Frankreich, in der das reaktionäre Königshaus der Bourbonen unter Karl X. gestürzt worden war und die bürgerlich-liberalen Kräfte den Bürgerkönig Louis Philippe von Orleans eingesetzt hatten, gab auch den liberalen Kräften in Deutschland und anderen Regionen Europas neuen Auftrieb. So war es schon 1830 zu regional begrenzten Aufständen gekommen, wie zum Beispiel in Braunschweig, Kurhessen, im Königreich Sachsen und in Hannover, die teilweise zu Verfassungen in den jeweiligen Staaten geführt hatten. Auch in Italien und den polnischen Provinzen Österreichs, Preußens und Russlands (Kongresspolen) hatte es 1830 Aufstände mit dem Ziel einer nationalstaatlichen Autonomie gegeben.
Insgesamt blieb das Metternichsche System jedoch zunächst erhalten, auch wenn sich überall Risse zeigten. So war es auch nach den Karlsbader Beschlüssen trotz der „Demagogenverfolgung“ zu weiteren dem Wartburgfest ähnlichen spektakulären Versammlungen gekommen, wie etwa dem Hambacher Fest 1832, bei dem demonstrativ die republikanischen schwarz-rot-goldenen Fahnen gezeigt wurden.
Ausgelöst wurde die Märzrevolution von der Februarrevolution 1848 in Frankreich, von wo aus der revolutionäre Funke schnell auf die angrenzenden deutschen Staaten übersprang. Die Ereignisse in Frankreich, wo es gelang, den inzwischen vom Liberalismus zusehends abgekommenen Bürgerkönig Louis Philippe abzusetzen, und schließlich die zweite Republik auszurufen, setzten europaweit über den relativ kurzen Zeitraum von 1 1/2 Jahren revolutionäre Umwälzungen in Gang.
Einige Zentren der Revolution waren nach Frankreich: Baden, Preußen, Österreich, Oberitalien, Ungarn, Bayern und Sachsen. Aber auch in anderen Staaten und Fürstentümern kam es zu Aufständen und Volksversammlungen, bei denen die revolutionären Forderungen artikuliert wurden.
Im Königreich Dänemark führten die revolutionären Ereignisse 1849 zu einer neuen Verfassung, in der die konstitutionelle Monarchie und ein zwei-Kammer-Parlament mit allgemeinem Wahlrecht eingeführt wurde.
In manchen Ländern des deutschen Bundes, wo die Fürsten relativ schnell einlenkten und nachgaben (zum Beispiel im Königreich Württemberg, in Hessen-Darmstadt oder in Hannover), kam es bald zur Errichtung von liberalen so genannten „Märzministerien“, die teilweise den Forderungen der Revolutionäre nachkamen (zum Beispiel Einrichtung von Schwurgerichten, Abschaffung der Pressezensur, Bauernbefreiung). Oftmals blieb es aber auch nur bei bloßen Versprechungen. In diesen letztgenannten Ländern nahm die Revolution wegen der frühen Zugeständnisse einen einigermaßen friedlichen Verlauf.
Von den mächtigen europäischen Staaten blieben durch diese Ereignisse nur England, Spanien und Russland unberührt (bei letzterem abgesehen von der Beteiligung russischen Militärs an der Niederschlagung des ungarischen Aufstands gegen Österreich 1849).
Ein chronologischer Verlauf der Revolution in ihrer Gesamtheit ist schwer zu erfassen, da die Ereignisse sich nicht immer eindeutig aufeinander beziehen lassen, Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen und an unterschiedlichen Orten mal nahezu zeitgleich, mal zu verschiedenen Zeitpunkten getroffen und wieder revidiert wurden.
Schon am 27. Februar 1848 war es in Mannheim zu einer Volksversammlung gekommen, bei der grundlegende Forderungen der Revolution vorweg genommen wurden. Die Forderungen der badischen Revolutionäre, jedenfalls deren in Baden stark vertretenem radikaldemokratischem Flügel waren diejenigen, welche die deutlichsten und am weitest gehenden Veränderungen verlangten.
Unter Führung des Advokaten Friedrich Hecker und Gustav Struves forderten sie unter anderem die Schaffung einer tatsächlichen Volkssouveränität, Abschaffung der Adelsprivilegien, Volksbewaffnung und eine progressive Einkommensteuer. Damit stellten sie auch schon sozialistische und sozialrevolutionäre Forderungen auf.
Struve und Hecker hatten schon als Vertreter des linken Flügels im Frankfurter Vorparlament, das die Wahl zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung vorbereiten sollte, eine föderative deutsche Republik mit nicht nur politischen, sondern auch sozialen Veränderungen gefordert. Ein entsprechendes von Struve veröffentlichtes Programm wurde aber von der Mehrheit des Vorparlaments abgelehnt.
Daraufhin versuchten Hecker, Struve und deren Anhänger ihre Vorstellungen auf eigenem Weg, von Südwestdeutschland ausgehend,beim so genannten "Heckeraufstand" durchzusetzen. In Konstanz riefen sie angeblich am 12.April 1848 gemeinsam mit dem Bonner Hochschullehrer Gottfried Kinkel und anderen die Republik aus (Allerdings erwähnt dies keine der drei Konstanzer Zeitungen in ihren Berichten über die betreffende Rede). Der Heckerzug machte sich mit etwa 1200 Mann Richtung Rheinebene auf, wo er sich mit einem Zug unter Führung des linksrevolutionären Dichters Georg Herwegh und dessen als Kundschafterin eingesetzten Frau Emma, der aus Frankreich kommenden „Deutschen Demokratischen Legion“ vereinigen und in die badische Hauptstadt Karlsruhe marschieren wollte, um von dort aus die Republik in ganz Baden durchzusetzen. Beide Gruppen wurden aber in kurzer Zeit von regulärem Militär besiegt und aufgerieben. Heckers Freischar am 20. April 1848 in einem Gefecht bei Kandern im Schwarzwald, und Herweghs Freischar eine Woche später bei Dossenbach. Hecker konnte ins Exil entkommen, das ihn über die Schweiz letztlich in die USA führte.
Ein weiterer Aufstand Struves im September 1848 in Lörrach, wo er mit seinen Anhängern wiederum die Republik ausrufen wollte, scheiterte ebenfalls. Struve wurde gefangen genommen und bei einem Hochverratsprozess in Freiburg mit einigen anderen Revolutionären zu einer Haftstrafe verurteilt, bis er bei den Maiunruhen 1849 wieder befreit wurde. Die weitere revolutionäre Entwicklung Badens beschränkte sich danach im Wesentlichen zunächst auf die Auseinandersetzungen in der Frankfurter Nationalversammlung.
Im Mai 1849 kam es, nachdem die Nationalversammlung in Frankfurt gescheitert war, neben anderen deutschen Staaten auch in Baden zu weiteren Aufständen, den so genannten Maiaufständen im Rahmen der Reichsverfassungskampagne. Die Demokraten wollten dabei die Anerkennung ihrer jeweiligen Regierungen in einer Reichsverfassung erzwingen.
In der Bundesfestung Rastatt meuterte am 11. Mai die badische Garnison. Wenige Tage später floh Großherzog Leopold von Baden nach Koblenz. Am 1. Juni 1849 übernahm eine provisorische Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano die Regierungsgewalt. Es kam zu Kämpfen gegen Bundestruppen und die preußische Armee unter Führung des „Kartätschenprinzen“ Wilhelm von Preußen (des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I.). Die badische Revolutionsarmee konnte jedoch dem Druck der Übermacht der preußischen Truppen nicht standhalten.
Die badischen Revolutionäre standen im Juni 1849 unter der Führung des polnischen Revolutionsgenerals Ludwik Mieroslawski. Mieroslawski war ein taktisch geschickter und erfahrener Soldat der Revolution. Er hatte im Zuge der Märzrevolution auch schon den Aufstand der Posener Polen 1848 gegen die preußische Vorherrschaft und andere vorausgegangene polnische Aufstände angeführt (siehe Unterartikel Posen, Polen). Mieroslawski trat jedoch am 1. Juli 1849 als Befehlshaber der badischen Revolutionstruppen zurück. Die Moral der Truppe war zurück gegangen. Mieroslawski war auch resigniert von der zu zögerlichen Haltung der Regierung Brentano, der wegen seiner Unentschlossenheit dann doch noch von einer radikaleren Gruppe um Gustav Struve gestürzt wurde. Aber der Niedergang der badischen Revolution war im Grunde schon besiegelt.
Auf Seiten der badischen Revolutionäre war auch der Sozialist Friedrich Engels aktiv an den Kämpfen beteiligt. Engels war 1848 / 49 Redakteur der von Karl Marx herausgegebenen Neuen Rheinischen Zeitung und kritisch-sympathisierender Beobachter der Revolution (ein Jahr zuvor, im Februar 1848, hatte Engels zusammen mit Karl Marx im Auftrag des Bund der Kommunisten Das Kommunistische Manifest herausgegeben). Auch der zu der Zeit noch relativ unbekannte spätere erste Vorsitzende der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, der Vorläuferpartei der SPD, Wilhelm Liebknecht war auf der Seite der Revolutionäre aktiv.
Als am 23. Juli 1849 nach dreiwöchiger Belagerung die Festung Rastatt fiel, war die badische Revolution endgültig gescheitert. 23 Revolutionäre wurden hingerichtet, einige andere wie Gustav Struve, Carl Schurz und Lorenz Brentano konnten sich ins Exil absetzen. Insgesamt verließen nach der Revolution etwa 80.000 Badener ihr Land (um die 5 % der Bevölkerung). Einige der prominenten Revolutionäre setzten später in den USA ihr politisches Engagement für demokratische Ziele fort und machten auch politisch Karriere. Carl Schurz wurde 1877 Innenminister der USA, als der er bis 1881 im Amt war.
Kennzeichnend für die badische Revolution im Unterschied zu den anderen Aufständen im Deutschen Bund war, dass in ihr die Forderung nach einer demokratischen Republik am konsequentesten vertreten wurde. Dagegen wurde in den Gremien und Revolutionsparlamenten der anderen Fürstentümer des Deutschen Bundes mehrheitlich eine konstitutionelle Monarchie mit Erbkaisertum favorisiert.
Die Basis der Revolution in Baden bildeten die vielerorts gegründeten badischen Volksvereine.
Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6. März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunächst nach und machte Zugeständnisse. Er willigte ein, den Landtag einzuberufen, die Pressefreiheit einzuführen, die Zollschranken zu beseitigen und den Deutschen Bund zu reformieren. Bei der Verlesung des entsprechenden Patents am 18. März schoss das Militär auf die unruhige Bevölkerung. Daraufhin kam es in Berlin zu Barrikaden- und Straßenkämpfen der Revolutionäre gegen die regulären preußischen Truppen, bei denen die Aufständischen zumeist erfolgreich waren. Als eine geschlossen auftretende Arbeitergruppe sind dabei beispielsweise die Rehberger bekannt geworden. Mehrere Hundert Tote und über Tausend Verletzte auf beiden Seiten waren die Folge dieser Kämpfe.
Am 19. März wurden die Truppen aus Berlin abgezogen. Der König sah sich gezwungen, den gefallenen Revolutionären seine Achtung zu erweisen. Er verneigte sich vor den aufgebahrten „Märzgefallenen“, bevor sie auf dem bis heute so genannten "Friedhof der Märzgefallenen" beerdigt wurden, und zeigte sich öffentlich mit einer Binde in den Farben der Revolution (Schwarz-Rot-Gold). In einem Aufruf an „Mein Volk und die deutsche Nation“ versprach er das Aufgehen Preußens in Deutschland. Am 29. März 1848 wurde ein liberales Märzministerium eingesetzt, das sich aber nicht gegen Adel und Militär durchsetzen konnte. Am 20. Juni 1848 wurde es wieder entlassen. Als Ende Mai 1848 die Ereignisse sich etwas beruhigt hatten, vollzog der König eine reaktionäre Kehrtwendung. Am 2. November 1848 wurde General Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg zum Ministerpräsidenten von Preußen ernannt. Eine Woche später kehrten die königlichen Truppen nach Berlin zurück. An der folgenden Konterrevolution in Preußen beteiligt war auch der konservative Abgeordnete Otto von Bismarck, der später preußischer Ministerpräsident und schließlich Reichskanzler des 1871 gegründeten Deutschen Reichs wurde. Die Verhandlungen der preußischen Nationalversammlung seit dem 22. Mai 1848 über eine Verfassung, die seit 1815 von Friedrich Wilhelm IV. und seinem Vorgänger immer wieder zugesagt, aber nie verwirklicht wurde, blieben letztlich erfolglos. Der Im Juli 1848 vorgelegte Verfassungsentwurf, die „Charte Waldeck“, die einige liberaldemokratische Reformen vorsah, wurde sowohl von den konservativen Abgeordneten als auch vom König selbst abgelehnt. Am 5. Dezember 1848 ließ der König die preußische Nationalversammlung auflösen.
Ende Mai 1849 wurde die Nationalversammlung durch das preußische Abgeordnetenhaus (zweite Kammer) ersetzt. Es wurde ein Dreiklassenwahlrecht eingeführt, um die Vorherrschaft der Besitzenden zu sichern. Dieses im Grunde undemokratische Wahlrecht blieb in Preußen bis 1918 in Kraft. Eine Verfassung, die allerdings weit unter den Forderungen der Märzrevolution blieb, wurde erst Ende Januar 1850 vom König selbst oktroyiert.
Das überwiegend von Polen bewohnte Herzogtum Posen war 1848 eine preussische Provinz. Der ehemalige polnische Staat war schon im 18. Jahrhundert ein politischer Spielball der europäischen Großmächte gewesen. Nach mehreren Teilungen bis 1795 hatte es Anfang des 19. Jahrhunderts nur von 1807 bis 1813 einen unter napoleonischem Schutz stehenden eigenen polnischen Staat, das Großherzogtum Warschau unter Großherzog Friedrich August I. von Sachsen, der auch König von Sachsen war, gegeben. Nach dem endgültigen Sieg Preußens, Österreichs, Russlands, Englands und anderen über Napoleon wurde Polen auf dem Wiener Kongress erneut zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt. In der Folgezeit hatte es in den jeweiligen polnischen Provinzen auch schon vor der Märzrevolution immer wieder Aufstände gegen die Fremdherrschaft gegeben, beispielsweise im Gefolge der französischen Julirevolution auch 1830 - mit dem Ziel, die polnische Einheit zu erreichen und ein eigenständiges Polen neu zu etablieren.
1846 war zuletzt ein geheim geplanter polnischer Aufstand im Herzogtum Posen von Preußen aufgedeckt und schon im Keim niedergeschlagen worden. Dessen Anführer, der polnische Revolutionär Ludwik Mieroslawski, war gefangen genommen und, 1847 in Berlin zum Tode verurteilt, kurze Zeit später zu lebenslänglicher Haft begnadigt worden.
Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Berlin wurden die polnischen Revolutionäre, unter ihnen auch Mieroslawski, von den Berliner Aufständischen befreit. Im Anfangsstadium der Märzrevolution, das als eine Art internationaler Völkerfrühling empfunden wurde, herrschte unter den Revolutionären noch eine polenfreundliche Haltung vor, die den folgenden Aufstand in Posen zunächst begrüßte und begünstigte. Ludwik Mieroslawski stellte sich kurz nach seiner Befreiung im April und Mai 1848 an die Spitze des Aufstands der Posener Polen gegen die preussische Vorherrschaft. Ziel war hier auch eine Vereinigung ganz Polens. Insofern zielte die Revolution in Posen auch auf die Befreiung des Königreichs Polen, des ehemaligen so genannten „Kongresspolens“, das in Personalunion unter russischer Herrschaft stand. Der Zar war zugleich König (des russischen Teils) Polens.
Im Zuge des Revolutionsverlaufs in Preußen, wo zunehmend wieder konservative Kräfte die Lage zu bestimmen begonnen hatten, war auch die anfängliche Polenbegeisterung einer nationalistischeren Haltung in Preußen selbst gewichen. Außerdem wollte der preussische König Friedrich Wilhelm IV. wegen des Posener Aufstands keinen Krieg mit Russland riskieren. Am 9. Mai 1848 wurde der Aufstand der Posener Polen von einer Übermacht preussischer Truppen niedergeschlagen und Mieroslawski erneut verhaftet. Auf Intervention des revolutionären Frankreich wurde er nach kurzer Zeit begnadigt und nach Frankreich ausgewiesen - bis er im Juni 1849 von den badischen Revolutionären gerufen wurde, die ihn an die Spitze ihres Revolutionsheeres setzten (siehe Unterartikel Baden).
Der polnische Teil der Provinz Posen wurde am 4. Juni 1848 durch eine Demarkationslinie von Preußen getrennt.
"Seite2 von 3 auf Märzrevolution
"Seite3 von 3 auf Märzrevolution
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