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La Neuveville

Basisdaten
Kanton: Bern
Bezirk: La Neuveville
BFS-Nr.: 0723
Fläche: 6.8 km²
Koordinaten: 47° 4' n. Br., 7° 6' ö. L.
Höhe: 434 m ü. M.
Einwohner: 3414 (Ende 2003)
Website: www.neuveville.ch

La Neuveville ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Amtsbezirks des Kantons Bern in der Schweiz. Es liegt im französischsprachigen Teil des Kantons Bern, der deutsche Name ist Neuenstadt.


Inhaltsverzeichnis

Geographie

La Neuveville liegt auf 434 m ü. M., 14 km südwestlich von Biel (Luftlinie), etwa auf halbem Weg zwischen Biel und Neuenburg. Das Städtchen erstreckt sich am Nordwestufer des Bielersees und an den angrenzenden Hängen des Jurasüdfusses unterhalb der Hochfläche Montagne de Diesse (deutsch Tessenberg).

Die Fläche des 6.8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des steilen Südhangs La Côte unterhalb des Plateau de Diesse und einen 4.5 km langen Uferstreifen am Bielersee zwischen Le Landeron und Ligerz. Die westliche Abgrenzung bildet der Ruisseau de Vaux, ein Bach, der vom Plateau de Diesse in den Bielersee fliesst. Nach Norden erstreckt sich das Gemeindegebiet auf die bewaldete Antiklinale, welche das ehemalige Moor der Montagne de Diesse vom Bielersee trennt. Auf der Höhe Sur la Roche wird mit 926 m ü. M. der höchste Punkt von La Neuveville erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 15 % auf Siedlungen, 63 % auf Wald und Gehölze, 21 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Zu La Neuveville gehören der Weiler Schafis (französisch Chavannes), 440 m ü. M. am Ufer dies Bielersees südwestlich an Ligerz anschliessend, sowie mehrere Einzelhöfe. Nachbargemeinden von La Neuveville sind Ligerz und Prêles im Kanton Bern sowie Lignières und Le Landeron im Kanton Neuenburg.

Bevölkerung

Obwohl La Neuveville nur 3414 Einwohner zählt, steht das mittelalterliche Städtchen unter dem alten Stadtrecht. Von den Bewohnern sind 76.8 % französischsprachig, 15.7 % deutschsprachig und 2.9 % italienischsprachig (Stand 2000).

Wirtschaft

La Neuveville hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts vom Agrarstädtchen zur Industriegemeinde entwickelt. Heute gibt es zahlreiche Arbeitsplätze im Bereich der Feinmechanik, der Herstellung von Präzisionsgeräten, im Baugewerbe sowie in kleineren Betrieben verschiedener Industriezweige. Auch der Dienstleistungssektor hat mit 50 % der Erwerbstätigen grosse Bedeutung. Wichtig für La Neuveville ist der Weinbau; der Hang am Nordwestufer des Bielersees, der eine optimale Exposition zur Sonneneinstrahlung aufweist, ist mit Reben bestanden.

Verkehr

Die Gemeinde ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Sie liegt an der Autostrasse A5, die Biel mit Neuenburg verbindet und das Städtchen vom Durchgangsverkehr entlastet. Am 3. Dezember 1860 wurde die Eisenbahnlinie von Biel nach Le Landeron eingeweiht, die ein Teil der heutigen Jurasüdfusslinie (Olten-Solothurn-Biel-Neuenburg-Yverdon-les-Bains-Lausanne/Genf) bildet. Ein Postautokurs führt von La Neuveville zu den Gemeinden auf der Montagne de Diesse. Ferner ist La Neuveville an das Schiffsverkehrsnetz auf dem Bielersee angeschlossen.

Geschichte

La Neuveville wurde 1312 vom Basler Fürstbischof Gérard de Vuippens als neue Stadt an der Grenze zum Fürstentum Neuenburg gegründet, um Flüchtlinge aus dem Ort La Bonneville im Val-de-Ruz aufzunehmen, das kurz zuvor durch Rudolf IV. zerstört wurde. Deshalb trug La Neuveville in der Anfangszeit auch den Namen La Bonneville. Erste Rechte erhielt der Ort im Jahr 1318, ein Friedensbündnis wurde 1342 unterschrieben. Das Städtchen schloss 1388 einen Burgrechtsvertrag mit der Stadt Bern, 1395 auch mit Biel, weil es seine Eigenständigkeit gegenüber dem Fürstbistum wahren und erweitern wollte. Im 16. Jahrhundert übte der Herr von Burg Schlossberg neben seiner militärischen Funktion zugleich auch das Amt des Bürgermeisters von La Neuveville aus.

Von 1798 bis 1815 gehörte La Neuveville zu Frankreich und war anfangs Teil des Département du Mont Terrible, das 1800 mit dem Département Haut-Rhin verbunden wurde. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern zum Amtsbezirk Erlach. 1846 wurde es Hauptort des neu gegründeten Distrikts La Neuveville.

Sehenswürdigkeiten

Die gut erhaltene, nahezu quadratische historische Stadtanlage aus dem 14. Jahrhundert weist drei parallele Gassen (quer zum See und zum Hang angelegt) sowie eine moderne Querstrasse auf. Durch letztere wurde vor dem Bau der Ortsumfahrung A5 der Durchgangsverkehr geleitet. Die Stadtmauer besitzt sieben Türme, die meisten entstanden zur Zeit der Stadtgründung 1312. Im Südosten befindet sich die Tour de Gléresse (auch Tour Wyss), gegen den See die Tour de Rive, im Südwesten die Tour Baillif, die Tour Hildebrant, die Tour Jaggi im Nordwesten und im Norden die Tour Rouge (Zytgloggeturm), die 1592-96 verändert wurde. Der massive Bau der Tour Carrée (auch Tour des Cloches) nordöstlich der Altstadt entstand erst 1520.

Die älteste Kirche ist die Blanche Eglise östlich der Altstadt. Sie wurde bereits 866 erstmals erwähnt. Der heutige Bau stammt von 1345, im 15. Jahrhundert wurde er vergrössert. Er zeigt eine Holzdecke und bedeutende gotische Wandmalereien aus der Entstehungszeit. Die reformierte Kirche Temple du Lac trägt auch die Namen Temple neuf oder Temple du Bas. Sie wurde 1720 in Anlehnung an den Temple du Bas in Neuenburg errichtet.

Die Bausubstanz der Altstadt von La Neuveville stammt aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Das Rathaus, das neben der Tour Carrée steht, wurde 1541-69 erneuert und beherbergt heute das Historische Museum, in dem unter anderem Ausgrabungen von Pfahlbauten am Ufer des Bielersees und die 1476 in der Schlacht bei Murten erbeuteten Burgunderkanonen ausgestellt sind. Die Präfektur befindet sich seit 1954 im Maison de Gléresse, das 1555 erbaut, im 18. und 19. Jahrhundert erweitert wurde und mit einem Portal im Renaissancestil sowie einem Treppenturm ausgestattet ist. Das Maison de Berne, 1631 erbaut, gehörte den Äbten von Bellelay und diente als Weinlesehaus; 1804 wurde es Sitz des Weingutes der Stadt Bern. Nach seinen drachenköpfigen Wasserspeiern ist das barocke Maison des Dragons benannt. Es stammt wie die Grenette (Kornhaus) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nördlich der Altstadt befindet sich die Vorstadt (Faubourg) mit Häuserzeilen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Sie gehörten zumeist Handwerkern und Weinbauern und hatten deshalb an den Giebeln oder Dachlukarnen Vorrichtungen für den Lastenaufzug.

Oberhalb des Städtchens steht die Burg Schlossberg, die 1283-88 vom Fürstbischof von Basel als Festung gegen die Grafen von Neuenburg erbaut wurde. Die gegen Ende des 15. Jahrhunderts stark veränderte Burg war seit 1556 nicht mehr bewohnt. Sie wurde 1885 wiederhergestellt und bewohnbar gemacht. Seit 1933 ist sie, nach einer Renovation, im Besitz von La Neuveville und dem Kanton Bern. Der Hof Le Forel, ein ehemaliges Weinbauerngut aus dem 16. Jahrhundert, beherbergt das Rebbaumuseum.

Weblinks

siehe auch

für weitere Gemeinwesen im französischen Département Vosges mit dem Namen La Neuveville siehe La Neuveville (Begriffsklärung)






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