| Liste Artikel | Liste Kategorien | Zufälliger Artikel | Links auf diese Seite | |||
Ein Glaubensbekenntnis, auch Credo (von lat. "ich glaube") oder Symbolum, ist in einer Religion ein öffentlicher Ausdruck des persönlichen und kollektiven Glaubens, zu dem der oder die Sprecher sich bekennen.
Ein Glaubensbekenntnis hat verschiedene Funktionen:
| Inhaltsverzeichnis |
Das ausdrückliche Bekennen des eigenen Glaubens vor Gott und der volkhaften Gemeinde ist im Judentum seit seinen Anfängen zentral. Ein altes biblisches Credo Israels lautet:
Das Bekenntnis zu den befreienden Geschichtstaten Gottes wurde zum gemeinsamen Glauben Israels, der die 12 hebräischen Stämme zu dem erwählten Volk Gottes einte, das nur einen Gott kannte und verehrte (Josua 24, 18). Ein Großteil der biblischen Geschichtsüberlieferung hat daher Bekenntnischarakter und enthält Credo-artige Texte.
Das "Schma Jisrael" (Höre, Israel) wurde zum wichtigsten Glaubensbekenntnis dieses Volkes, das seine Existenz den Befreiungstaten Jahwes in der Geschichte verdankt:
Dieses Bekenntnis enthält als Anrede an die versammelte Gemeinde zuerst die Zusage des Bundes Gottes mit seinem Volk: "Jahwe ist unser Gott!", sodann das alle Volksangehörigen beschlagnahmende Gebot: "Und Du sollst..." Damit antwortet das Bekenntnis auf das erste der Zehn Gebote, das lautet:
Diese besondere, gemeinschaftliche und konzentrierte Antwort des Glaubens auf den einzigen Gott, der sich seinem Volk offenbart, hat das Judentum an das Christentum und den Islam "vererbt".
Im Neuen Testament übernimmt Jesus Christus ausdrücklich das israelitische Schma Jisrael als sein eigenes Credo, und zwar bereits in der Gestalt, in der es im Judentum bis heute gebetet wird: indem er dem ersten Gebot der Gottesliebe das Gebot der Nächstenliebe gleichrangig zur Seite stellt (Markus 12, 29-31). Damit ist der Gott Israels auch für alle Christen der einzige Gott, den sie mit aller Kraft zu lieben haben wie sich selbst. Bekennen, Beten und Nachfolgen sind im christlichen wie im jüdischen Glauben eins.
Das urchristliche Bekenntnis zu diesem Gott wird ebenfalls als Rückblick auf und Lobpreis seiner rettenden Taten verkündet:
Damit wurde der Eigenname des einzigen Gottes (hebräisch "Jahwe" = griechisch "Kyrios") auf diesen Galiläer, Gottes Sohn, übertragen. So hat das Christentum den Glauben des Judentums einerseits bewahrt, andererseits auf Jesus Christus bezogen und konzentriert. Damit markiert das urchristliche Credo die Bindung und Unterscheidung zum Judentum zugleich.
Eines der ältesten christlichen Zusammenfassungen der christlichen Glaubenslehre findet sich bei Paulus im ersten Korintherbrief 15,3ff:
Ein weiteres Bekenntnis von Paulus findet sich im Römerbrief 1,3f:
Das kürzeste und populärste frühchristliche Bekenntnis, das im Neuen Testament oft wiederholt ist, ist Κυριος Ιησους - Jesus ist der Herr (Jahwe) - das im römischen Reich, wo der Kaiser mit κυριος bezeichnet wurde, auch eine politische Bedeutung hatte.
Im Christentum haben sich nach längeren Lehrstreitigkeiten im 3. und 4. Jahrhundert zwei "Symbola" als gemeinsamer Glaube aller Christen behauptet: das Apostolische und das Nicänische Glaubensbekenntnis.
Diese beiden werden von fast allen christlichen Traditionen als verbindliches Credo akzeptiert. Allerdings wird das Apostolicum in der westlichen Tradition häufiger, in der östlichen gar nicht verwendet. Diese verwendet nur das Credo von Nicäa. Den Grund dafür bringt der dritte Artikel des Credo zum Vorschein. In der westkirchlichen Form beginnt dieser:
In der Ostkirche wie auch bei Anglikanern und Alt-Katholiken dagegen heißt es:
Das Apostolicum bringt also die Differenz zum Nicänum mit dem Zusatz des "Filioque" (Lateinisch: "und des Sohnes") zum Ausdruck. Dahinter steht die erste und entscheidende Kirchenspaltung: das große Schisma zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche. Ihre Einheit zerbrach an dem Disput, ob der Heilige Geist aus Gott, dem Vater und Gott, dem Sohn (westkirchliche Lehre) oder nur aus Gott, dem Vater hervorgegangen sei (ostkirchliche Lehre). Bei ökumenischen Gottesdiensten, die gemeinsam mit orthodoxen Christen gefeiert werden, wird daher oft die Nicänische Textgestalt gewählt, der beide Seiten eher zustimmen können.
Älter, aber weniger verbreitet sind das Altrömische Glaubensbekenntnis als Vorläufer des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und das Bekenntnis von Nicäa als Grundlage des Nicäno-Konstantinopolitanums.
Ein weiteres in den westlichen Kirchen weit verbreitetes Bekenntnis ist das Athanasianische Glaubensbekenntnis, das heute z.B. in der Evangelischen Kirche im Rheinland neben Apostolicum und Nicaeno-Constantinopolitaneum zu den drei grundlegenden Bekenntnissen gehört.
Neben den Glaubensbekenntnissen für den gottesdienstlichen Gebrauch gibt es noch Bekenntnisse verschiedener Konfessionen, die eher in Form dogmatischer Lehrsätze gefasst und überliefert sind: z.B. die evangelische Confessio Augustana der Lutheraner, das Zweite Helvetische Bekenntnis und den Heidelberger Katechismus der Reformierten, die Bekenntnisschrift Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche, die Westminster Confession der Puritaner, die "Rechenschaft vom Glauben" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, das Glaubensbekenntnis der Baptisten von Johann Ludwig Hinrichs 1840 (siehe Abbildung).
Nach evangelischem Verständnis werden Glaubensbekenntnisse als Richtlinien des Glaubens norma normata (=normierte Norm) verstanden. Das heißt: Sie sind zwar verbindlich, sind aber selbst durch etwas anderes normiert, nämlich durch die Bibel als norma normans (=normierende Norm). Sie können sich also nur dadurch legitimieren, dass sie von der Eigenverkündigung der Bibel gedeckt sind und diese bewahren.
Der Islam kennt als Glaubensbekenntnis die Schahada, deren Kernsatz auf deutsch in etwa heißt: "Es gibt keinen Gott außer Allah. Muhammad ist der Gesandte Allahs."
Dogmatik, Glaube, Bekenntnisse der christlichen Kirchen und Gemeinschaften, Katechismus
Aktuelle Literatur zum christlichen Glaubensbekenntnis


