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Französische Revolution

Der Begriff Französische Revolution bezieht sich auf den historischen Zeitraum zwischen 1789 und 1799 in Frankreich, in dem Republikaner die Monarchie stürzten und die römisch-katholische Kirche notgedrungen radikalen Veränderungen unterworfen wurde, sie markiert eine Zäsur in der europäischen Geschichtsschreibung.

In dem Zeitraum vom 14. Juli 1789 bis zum 9. November 1799 vollzog sich der Übergang Frankreichs von der absoluten Monarchie zur Republik. Obwohl die Republik endgültig und dauerhaft erst 1871 etabliert werden konnte, veränderte die Revolution die Gesellschaft Frankreichs und Europas grundlegend. Hier wurde das Modell der modernen Staats- und Gesellschaftsordnung geschaffen. Die Errungenschaften der Revolution wie persönliche Freiheit, Meinungs- und Pressefreiheit und Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, eine unabhängige Justiz, eine gleiche Besteuerung, das allgemeine Wahlrecht, das Selbstbestimmungsrecht des Volkes, die Bindung des Staates an eine Verfassung und die Berufs- und Gewerbefreiheit sind heute fundamentaler Teil des Bewusstseins der Bürger der westlichen Demokratien und, zumindest auf dem Papier, Grundlage des Rechtes der meisten Staaten der Erde. Die Zeit des Terrors, der Schreckensherrschaft Robespierres mit der oft willkürlichen Verurteilung zum Tod auf der Guillotine steht für die negative Seite der Revolution.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Überblick

Der Umsturz hatte zahlreiche Ursachen. Zu den wichtigsten gehören folgende:

Die Aufklärung

Seit Mitte des Jahrhunderts beherrschte der kritische Geist der Aufklärung die Gesellschaft. Große Teile des Adels glaubten nicht mehr an die althergebrachten Privilegien, denen sie ihre Stellung verdankten. Die Salons, Zeitschriften, Debattierclubs und Freimaurerlogen wurden Träger der immer kritischer werdenden öffentlichen Meinung. In die breiten Schichten drangen einfache Schlagworte vor, die Gründe für und einen Ausweg aus der desolaten Situation lieferten.

Das Bürgertum

Im Laufe des 18. Jahrhunderts bildete sich innerhalb des dritten Standes eine neue gesellschaftliche Schicht heraus. Aus Kaufleuten, industriellen Unternehmern, Finanzpächtern und Beamten entstand das Bürgertum.

Für die Wirtschaft Frankreichs war das Bürgertum von entscheidender Bedeutung. Adligen war es - mit Ausnahme von Kolonialgeschäften - verboten, sich im florierendem Handel zu betätigen, da dies als nicht standesgemäß galt; von den zunehmend unter dem Merkantilismus leidenden Bauern jedoch konnten sie kaum noch Steuern verlangen. Die ökonomische Gewichtung verlagerte sich klar zu Gunsten des Großbürgertums, gerade der niedere Adel verarmte zusehends.

Obwohl die Bürger nun das wirtschaftliche Rückgrat Frankreichs bildeten, spiegelte sich diese Bedeutung nicht in ihren politischen Rechten wieder. Der Adel war noch immer von allen Steuern befreit und vor allem hatten alleine seine Mitglieder Zugang zu öffentlichen Ämtern.

Ausdruck fand das gesteigerte Selbstbewusstsein des Bürgertums beispielsweise in den Ende des 17. Jahrhunderts entstehenden Cafés und privaten bürgerlichen Zirkeln, in denen sich Richter, Rechtsanwälte, Schriftsteller, Ärzte sowie Fachangestellte der zivilen oder militärischen Verwaltung trafen. Bald verbreitete sich in diesem Umfeld eine Diskussionskultur, für die unter anderem Voltaires Schriften zum englischen Parlamentarismus, Montesquieus Ansichten zur Trennung der Staatsgewalten und Rousseaus Forderungen nach Volkssouveränität entscheidend waren.

Auch absolutismuskritische Theaterstücke wie Die Hochzeit des Figaro wurden aufgeführt und nur durch einflussreiche Persönlichkeiten am Hof des Königs von der Zensur verschont.

Das Ende des Feudalismus

Mit dem Aufkommen des Absolutismus war das feudale System schon lange aus dem Lot gekommen. Es basierte darauf, dass Bauern und Bürger an den Klerus und Adel Abgaben leisteten und dafür Schutz und die Aufrechterhaltung der Ordnung erhielten. Dieses Gleichgewicht verschob sich immer mehr: Durch die absolutistische Herrschaftsordnung wurden die ersten beiden Stände von ihrer Regierungsverantwortung immer mehr entlastet, während ihre Rechte fortbestanden. Adel und Klerus hatten also immer weniger Pflichten, bewahrten aber trotzdem ihre Rechte wie Abgaben und Frondienste. Der dritte Stand arbeitete mehr und mehr für Herrscher, die gar nicht mehr ihre Herrscher waren. Dieses fehlende Abhängigkeitsverhältnis wird in vielen späteren Revolutionsschriften, in denen der dritte Stand zur autarken Nation und erster wie zweiter Stand zu "Parasiten" der französischen Volkswirtschaft erklärt werden, deutlich (vergleiche zum Beispiel die Schriften von Abbé Sieyès).

Auch das starre Ständesystem verlor zusehends seine Rechtfertigung. Innerhalb des dritten Stands - der von vermögenden Kapitalrentnern bis zu armen Bauern und Tagelöhnern 98% der französischen Bevölkerung umfasste - kam es zu sehr großen wirtschaftlichen Gegensätzen und damit auch zu unterschiedlichen Interessen. Während die unter dem Merkantilismus leidenden Bauern eine Befreiung von Abgaben und Frondiensten forderten, forcierte die neu entstandene Schicht des reichen Großbürgertums - insbesondere mit Blick auf England, in dem die bürgerliche Oberschicht großen Einfluss ausübte - ihre Forderungen auf politische Mitspracherechte.

Auch im zweiten Stand, der Aristokratie, wurden die Gegensätze deutlicher: Niederer Adel und Hochadel kämpften um die Wiederherstellung beziehungsweise Erhaltung ihrer politischen Mitspracherrechte gegenüber dem König und standen somit prinzipiell in Opposition zum absolutistisch ausgerichteten Herrscher. Gemeinsam war ihnen das Interesse, keinerlei Privilegien an den aufstrebenden Teil des Bürgertums abzugeben. Die Grenze zwischen Adel und Nichtadel verschwamm außerdem, da König und Hof mit Blick auf die finanzielle Lage immer mehr Bürgerlichen gegen entsprechende Zahlungen den Eintritt in den Adelsstand erlaubten.

Wirtschaftskrise

Das Steuersystem war veraltet und durch viele Mängel und Missbräuche belastet. Von der wichtigsten direkten Steuer, der Taille, waren Klerus und Adel befreit. Die Einziehung der indirekten Steuern lag in den Händen von Generalpächtern. Diese zogen die Steuern gegen Zahlung einer fixen Pacht selbstständig ein. Die Generalpächter versuchten nun, aus den ihnen anvertrauten Gebieten das höchstmögliche Steueraufkommen herauszupressen, um ihren persönlichen Gewinn zu maximieren.

Das Haushaltsdefizit des französischen Staates nahm zwischen 1736 und 1789 rapide zu, so dass schließlich sogar ein Staatsbankrott drohte. Die Unterstützung der Unabhängigkeitskriege amerikanischer Siedler gegen den Erzfeind England traf den französischen Staatshaushalt hart, auch der Friedensschluss mit England brachte keine wirtschaftliche Erholung. Im Gegenteil: Das industriell weiter entwickelte England überschwemmte den französischen Markt mit billigen Textilien, Industriewaren und landwirtschaftlichen Gütern, während die heimische Wirtschaft unter Missernten litt.

Eine Industrie- und eine Agrarkrise Ende der 1780er Jahre steigerten die Unzufriedenheit, und eine Missernte 1788, gefolgt von einem strengen Winter, führte dazu, dass die Brotpreise deutlich anstiegen.

Verlauf

Ursachen

Der Umsturz hatte zahlreiche Ursachen. Zu den wichtigsten gehören folgende:


Verlauf

Als Beginn der Revolution wird oft der so genannte "Sturm" auf die Bastille in Paris am 14. Juli 1789 (seit 1880 Nationalfeiertag Frankreichs) gesehen, der jedoch weniger ein Sturm war, als eine friedliche Übergabe, die im Nachhinein von Revolutionshistorikern zum heute berühmten "Sturm auf die Bastille" umgedichtet wurde. Der eigentliche Auslöser der Revolution war das Zusammenrufen der Generalstände und der Streit über deren Wahlmodus, infolgedessen sich der dritte Stand zur alleinigen Vertretung der Nation erklärte.


Das häufig mit der Revolution von 1789 assoziierte Hauptmotiv, die Trias "Liberté, Egalité, Fraternité" ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"), wurde erst zu Beginn der Dritten Republik 1871 als Devise eingeführt und im Nachhinein zum Hauptmotto der Revolution erklärt. Im Verlauf der Revolution war diese nur eine von vielen Dreierformeln wie "Heil, Kraft, Einheit" und "Kraft, Gleichheit, Gerechtigkeit", die man in den historischen Dokumenten aus dieser Zeit keinesfalls häufiger findet als die letztgenannten.

Die Französische Revolution markiert die gesellschaftliche Transformation von der feudalen zur kapitalistischen Gesellschaft. Zum ersten Mal übernahm das wirtschaftlich erstarkte Bürgertum auch die politische Herrschaft vom Adel, der bereits zuvor zunehmend an Bedeutung verlor. In der Geschichtswissenschaft wird die Revolution von 1789 als Datierung für das Ende der Frühen Neuzeit verwendet.

Nach der Erklärung des dritten Standes innerhalb der Generalstände zur Nationalversammlung, verkündeten diese 1789 auch die erste Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (französischer Originaltext: wikipédia:Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen).

Im Verlauf der Revolution wurde König Ludwig XVI. gestürzt und zusammen mit seiner Frau, Königin Marie-Antoinette zunächst inhaftiert und 1793 durch die Guillotine hingerichtet.

Die Französische Revolution brachte dem Volk jedoch nicht die erhoffte Freiheit, sondern endete in einem Terrorregime unter Robespierre und Danton, das zunächst durch ein Direktorium und nach wenigen Jahren durch die Alleinherrschaft Napoléons abgelöst wurde (1799 beziehungsweise 1804). Napoleon krönte sich letztlich zum Kaiser Frankreichs, behielt aber wesentliche Errungenschaften der französischen Revolution bei und etablierte diese auch in anderen europäischen Staaten (vergleiche zum Beispiel Code Civil als erstes Beispiel eines bürgerlichen Gesetzbuches BGB).

Vorrevolution 1786 - 1789

König gegen Parlament

König Ludwig XVI. und seine Minister hatten längst erkannt, dass eine Haushaltssanierung nur auf der Grundlage weiterreichender Reformen möglich war; vor allem musste die Steuerfreiheit von Adel und Klerus aufgehoben werden. Diese verteidigten im Parlament von Paris und in den dreizehn Regionalparlamenten ihre Privilegien.

Mit der Berufung von Baron Anne Robert Jacques Turgot, einem Vertreter der physiokratischen Wirtschaftstheorie, zum Finanzminister 1774, wurde zunächst eine radikal reformistische Wirtschaftspolitik betrieben. Turgot beendete viele staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, schuf eine einheitliche Grundsteuer für alle Stände, befreite die Bauern von einigen Frondiensten, etablierte mit der Abschaffung der Zünfte die Gewerbefreiheit, erhob eine Steuer auf Grundbesitz und gab das Privileg des Getreidehandels für alle Franzosen frei. Mit diesen Maßnahmen stieß er auf den erbitterten Widerstand der Parlamente. Nachdem er außerdem die hohen Hofhaltungskosten des Königs sowie Frankreichs Engagement im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kritisierte, nahm Ludwig XVI. dies zum Anlass, Turgot 1776 zu entlassen.

Sein Nachfolger Jacques Necker, ein bürgerlicher Bankier aus Genf, betrieb eine entgegengesetzte Wirtschaftspolitik. Er nahm hohe Staatsanleihen auf, suchte die Unterstützung der Privilegierten, indem er die Wiedererrichtung der Provinziallandtage unterstützte und beeinflusste die Wirtschaft durch staatliche Eingriffe, indem er beispielsweise die Getreidepreise festsetzte. Da er jedoch - wie bereits Turgot - eine Steuerreform anstrebte, die jedoch mit Unterstützung der Parlamente vollzogen werden sollte, scheiterte er wie sein Vorgänger am Widerstand der Privilegierten und des Hofadels. Als er in einem Rechenschaftsbericht, der 100.000-mal gedruckt wurde, das Haushaltsdefizit Frankreichs veröffentlichte, entließ Ludwig XVI. auch ihn.

Seinem 1783 berufenen Nachfolger Charles Alexandre de Calonne, der ebenfalls eine Steuerreform anstrebte, war klar, dass diese sich nicht im Einverständnis mit den Parlamenten durchsetzen ließ. Daher berief er die Notabeln, ein 144köpfiges, vom König bestimmtes Gremium aus Männern von hoher Bildung, Rang und Vermögen. Diese jedoch verweigerten die Zusammenarbeit und forderten die Zusammenrufung der Generalstände, die der erneut zum Finanzminister berufene Jacques Necker auf Befehl des Königs am 5. Mai 1789 zusammenrief.

Das Jahr 1789

Die Versammlung der Generalstände

Die seit 1614 erstmalige Zusammenrufung der Ständeversammlung Frankreichs durch König Ludwig XVI. im Krisenjahr 1789 gilt heute unter Historikern als der entscheidende Auslöser der französischen Revolution.

Die Einberufung der Generalstände ging bereits mit zahlreichen Zugeständnissen des Königs an den Dritten Stand einher. So besaß zum ersten Mal jeder männliche französische Bürger, der das 25. Lebensjahr vollendet hatte, das passive und aktive Wahlrecht, falls er sich namentlich in die Steuerliste eingetragen hatte und die Abgeordnetenzahl des dritten Stands wurde auf 621 Delegierte in etwa verdoppelt. Die Wünsche und Beschwerden der Wähler im ganzen Land sollten dabei den Delegierten, die in der klassischen Vorstellung ein imperatives Mandat innehatten, in Form von Beschwerdeheften ("cahiers de doléance") mitgegeben werden.

Wahlverfahren und Zusammensetzung

Die Wahl der Generalstände fand auf der Ebene der königlichen Verwaltungsbezirke in drei getrennten Wahlverfahren statt, die sich für den Klerus in einer Übergewichtung niederer Geistlicher und im dritten Stand in einer Übergewichtung großbürgerlicher Interessen niederschlug. Dementsprechend zeichnete sich die Zusammensetzung des dritten Stands durch eine dominierende Anzahl von Personen aus dem Großbürgertum aus: So waren unter den 585 bis 621 (die Angaben dazu schwanken) Abgeordneten des dritten Stands großbürgerliche Berufe wie Rechtsanwälte, Notare, Grundbesitzer, Händler, Richter, Bürgermeister und Ärzte stark überrepräsentiert. Daneben fanden sich auch Finanzfachleute, Adlige, Angestellte der militärischen Verwaltung und nicht ausübende Priester unter den Vertretern des dritten Stands.

Revolution in Versailles

Der Zusammenrufung der Generalstände wurde von allen Parteien mit sehr stark divergierenden Vorsätzen und Erwartungen entgegengesehen. Während der König den Zweck in der Beschließung neuer Steuern sah, war es das erklärte Ziel von Klerus und Adel, ihre Privilegien nicht nur zu verteidigen, sondern auch ihre politische Bedeutung wiederzugewinnen, also eine Abschwächung des absolutistischen Systems zu erreichen.

Der dritte Stand hoffte dagegen, dass seine gewachsene ökonomische Rolle auch politisch gewürdigt werde und ihm politische Mitspracherechte in Form einer Verfassung garantiert würden. Außerdem gab man sich mit dem traditionellen Wahlverfahren nach Ständen nicht zufrieden. Die erhöhte Abgeordnetenzahl sollte auch bei der Abstimmung berücksichtigt werden, weshalb von führenden Abgeordneten des dritten Stand gefordert wurde, nicht nach Ständen, sondern nach dem Mehrheitsprinzip abzustimmen.

Der Streit über den Wahlmodus zog sich über Wochen hin, bis sich am 17. Juni 1789 schließlich die Abgeordneten des dritten Stands geschlossen zur Nationalversammlung erklärten, wobei sie die Abgeordneten der anderen beiden Stände aufforderten, sich ihnen anzuschließen. Teile des Adels und des Klerus schlossen sich ihnen an, mehrheitlich blieb ihr Widerstand aber ebenso ungebrochen wie der des Königs. Wegen angeblicher Bauarbeiten wurde somit das Parlamentsgebäude geschlossen, um die Arbeit der neuen selbsternannten Nationalversammlung zu blockieren. Daher zogen die Abgeordneten der neuen Nationalversammlung in das nahe gelegene Ballhaus um, um dort den berühmt gewordenen Ballhausschwur zu leisten, in dem sie unter anderem schworen sich "... niemals zu trennen und sich überall zu versammeln, wo es die Umstände erfordern werden, solange bis die Verfassung geschaffen ist und auf festen Grundlagen beruht". Als sie sich außerdem weigerten, einen vom König verfassten Beschluss vom 20. Juni, der die Erklärung vom 17. Juni für illegal erklärte, zu folgen, fügte sich Ludwig XVI. den neuen politischen Umständen und erklärte, die Abgeordneten sollten sich der Nationalversammlung anschließen. Da nun die politische Verantwortung wesentlich in den Händen der Nationalversammlung lag, erklärte sie sich am 7. Juli zur verfassungsgebenden Versammlung ("Constituante").

Die Revolte des dritten Stands in Paris

Etwa zeitgleich zur Einberufung der Generalstände begann sich auch die Stimmung in Paris unter dem dritten Stand aufzuheizen. Die Brotpreise waren aufgrund der Missernte im Jahre 1788 nach wie vor hoch. Als der König am 11. Juli 1789 den bürgerlichern Finanzminister Necker entließ, der vielen Bürgerlichen als Garant notwendiger Veränderungen galt, auch wenn seine zögerliche Reformpolitik weit hinter der seiner Vorgänger zurückblieb, gab dies den Anlass zu ersten Zusammenstößen zwischen erregten Handwerkern und königlichen Truppen. Es verbreitete sich schnell das Gerücht, der König wolle seine Truppen zusammenziehen, um die Konstituierung der neuen Nationalversammlung in Versailles gewaltsam zu verhindern. Das in Paris starke Bürgertum übernahm große Teile der Stadtverwaltung und ordnete für jeden Pariser Bezirk die Bildung bewaffneter Bürgerwehren an. Die neue Nationalgarde trug die Farben blau und rot.


Der Sturm auf die Bastille
Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789
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Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Am 14. Juli 1789 ziehen einige bewaffnete Pariser, verarmte Vorstädter und Bürger zum Pariser Stadtgefängnis, der Bastille, um Kanonen, die von Bastille-Kommandant de Launey in das Gefängnis gebracht worden waren, für die neue Nationalgarde zu konfiszieren. In der Bastille, ein Gefängnis vor allem für Adlige, wo es diesen teilweise gestattet war, Diener mitzunehmen, waren auch sehr berühmte und für die bürgerliche Revolution symbolträchtige Personen wie Voltaire inhaftiert gewesen, der dort auch einige seiner Schriften verfasste.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings war das Gefängnis, das sich wahrscheinlich bereits in einem schlechten Zustand befand, mit Ausnahme einiger invalider Wachsoldaten und sieben unbedeutenden Gefangenen so gut wie leer.

Das bürgerliche Rathaus von Paris fragte den kommandierenden Offizier de Launey zuvor, was er zu tun gedenke, wenn sich das Stadtvolk von Paris die Kanonen mit Gewalt aneignen würde. Dieser erwiderte darauf, dass er dem Pariser Volk zwar keine Waffen aushändigen könne, aber auch keine Gewalt anwenden würde, so lange er nicht beschossen würde. Die aufgebrachte Menge vor dem Pariser Rathaus dringt jedoch mit Gewalt in die Bastille ein, wird durch die Gegenwehr der darin befindlichen Wachsoldaten überrascht und zieht sich bald darauf zurück.

Nach einigen Verhandlungen mit Delegationen von Bürgern, in denen die Bastille-Besatzung erklärt, sie werde die Bastille übergeben, falls die Bürger tatsächlich legitime Vertreter der Pariser Stadtregierung seien, kommt es dann aus heute nicht geklärten Gründen zu einer zweiten kleinen Schießerei, bei der es einige Tote und Verwundete unter den belagernden Bürgern gibt.

Die Bürger beginnen daraufhin damit, die Bestallungen und Küchen und Wagenschuppen außerhalb der eigentlichen Festung zu plündern. Um dies zu stoppen, gibt die Bastille-Besatzung einen Schuss mit der Kanone auf die Plünderungen ab, woraufhin diese allerdings ihrerseits mit zwei Kanonen zurückschießen, die inzwischen mit Hilfe einer Pariser Gardekompanie herbeigeschafft wurden. Daraufhin hissen de Launey und seine invaliden Wachsoldaten eine weiße Flagge zum Zeichen ihrer Kapitulation. Die Bastille wird friedlich übergeben, das Pariser Stadtvolk lyncht die in der Bastille verbliebenen Soldaten und den Kommandanten und zieht als Zeichen des Triumphes mit de Launeys Kopf durch die Straßen von Paris.

Insgesamt hat es mit etwa zehn Toten an diesem Nachmittag bedeutend weniger Tote als bei anderen vorausgegangenen Zusammenstößen zwischen königlichen Truppen und Bürgerlichen gegeben.

Während die Versammlung der Generalstände unter Historikern lange Zeit unterschätzt wurde, kommen heute viele Experten zu dem Schluss, dass der so genannte "Sturm auf die Bastille" zum Geschichtsmythos hochstilisiert wurde.

Der König besucht Paris

Am 17. Juli besuchte der König, der über die Vorgänge in Paris sehr besorgt war, die Stadt und heftete sich im Rathaus als Symbol mit der Verbundenheit zum Volk die blau-weiß-rote Kokarde an seinen Hut. Sie vereinte Weiß, die Farbe des Königsbanners und die Uniformfarbe der königlichen Wachsoldaten sowie Blau und Rot, die Farben der bürgerlichen Nationalgarde von Paris, miteinander. Zu diesem Zeitpunkt scheint eine Revolution mit dem König möglich. Insgeheim arbeitet Ludwig XVI. jedoch schon längst an seiner Flucht und an der Mobilisierung eines antirevolutionären Widerstands im Ausland. Er war entschlossen, wie die später bei der Erstürmung der Tuilerien entdeckte Korrespondenz mit dem Ausland zeigte, die Wiederherstellung der alten Ordnung Frankreichs zu forcieren.

Die Revolution der Bauern in ganz Frankreich

Auch die große Zahl der Bauern in ganz Frankreich, die immer noch unter der großen Missernte von 1788 litten, ließen sich durch die revolutionäre Stimmung und Gerüchten von umherziehenden Räuberbanden anstecken. Die "Große Furcht" brach aus, in der sich die Bauern bewaffneten, Klöster und Schlösser stürmten und viele Dokumente, wie beispielsweise solche, die zu leistende Frondienste und Abgaben der Bauer regelten, vernichteten.

Die bürgerlichen Mitglieder der Nationalversammlung waren über die Nachrichten vom Land größtenteils schockiert, da sie eines der Prinzipien der frühen Revolution - das Schützen des Eigentums (eine weit verbreitete Formel lautete zu Beginn "Freiheit, Gleichheit, Eigentum") - bedroht sahen.

Etwa 100 Abgeordnete der Nationalversammlung, die sich im Bretonischen Klub zusammengeschlossen hatten, um ihr gemeinsames Vorgehen zu koordinieren, schlug daher vor, die Eigentumsrechte der Feudalherren zu opfern, um die bürgerlichen Eigentumsrechte zu schützen. In der Nachtsitzung vom 4. August konnten sich die Abgeordneten des Bretonischen Klubs durchsetzen, alle feudalen Privilegien wie das explizite Jagdrecht des Adels, die Leibeigenschaft und die feudale Steuerbefreiung wurden abgeschafft. Jeder Bürger (citoyen) besaß dank dieser formell am 11. August verabschiedeten Augustdekrete gleiche Rechte und Pflichten. Um den Augustdekreten Rechtskraft zu verleihen, musste aber auch der König seine Zustimmung geben, was Ludwig XVI. vorerst verweigerte. Er tat dies erst unter dem Eindruck des Zugs der Poisarden und der Nationalgarde nach Versailles am 5. Oktober, unter deren Geleit er sich am nächsten Tag nach Paris begab. Das "Ancien régime" war nun endgültig Vergangenheit.

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