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Als Entwicklungsland (der so genannten Dritten Welt) bezeichnet man ein Land, welches nach den materiellen, sozialen und gesundheitlichen Maßstäben unserer Zeit in seiner Entwicklung zurückgeblieben ist.
Der Begriff „underdeveloped countries“ erschien zum ersten Mal im UNO-Programm von 1949. Da diese Bezeichnung leicht Vorstellungen unseres Kulturkreises als Bewertungsmaßstäbe unüberlegt übernimmt, verletzend und diskriminierend für die Bevölkerung dieser Länder ist und zu Fehlschlüssen verleitet, setzte sich in den 50er Jahren der Begriff „Entwicklungsländer“ durch. Offizieller Sprachgebrauch von UNO und Weltbank ist „developing countries“. Andere Bezeichungen, die aus dem Englischen übernommen wurden, sind lesser developed countries oder less (economically) developed countries (LDCs/LEDCs). Manchmal spricht man auch einfach von dem "Süden" (Nord-Süd-Konflikt).
Eine einheitliche Definition für Entwicklungsländer gibt es nicht, jedoch verwendete man lange Zeit das Bruttosozialprodukt und andere ökonomische Maßstäbe als Kriterien für die Zuordnung zu den entwickelten und unterentwickelten Ländern. Entwicklung ist jedoch mehr als der bloße Übergang von Arm zu Reich, zwar weisen viele der Entwicklungsländer Defizite in der Lebensqualität ihrer Bewohner auf, können jedoch in ihrer Geschichte auch oft auf Jahrhunderte bis Jahrtausende alte Hochkulturen zurückblicken.
Diese Maßstäbe haben sich als ungeeignet herausgestellt, jedoch weisen alle diese Staaten gemeinsame Merkmale auf, nach denen sie der ersten und zweiten Phase des demographischen Übergangs zuzuordnen sind, dementsprechend befinden sie sich in der 1.Entwicklungsphase nach Fourastier.
In den Entwicklungsländern nehmen Frauen oft eine entscheidende Rolle in wichtigen,
wirtschaftlichen und sozialen Lebensbereichen ein. Rund 75% der Arbeitsleistung auf dem Land und 50% der Nahrungsmittelproduktion
wird von den Frauen geleistet. Hinzu kommen die Tätigkeiten in Hauswirtschaft, Kindererziehung und Gesundheitswesen. Auch im
informellen Sektor werden immer mehr Frauen tätig.
Den Männern gegenüber sind diese Frauen oft sozial, kulturell, politisch, wirtschaftlich und rechtlich stark benachteiligt. Dies äußert sich darin, dass sie nur rund 10% des gesamten Geldeinkommens erhalten und
über quasi kein Vermögen verfügen. Durch den niedrigen sozialen Status besteht für sie kaum Zugang zu Ausbildung, besseren
Berufen und damit zusammenhängend zu Einkommen und sozialem Aufstieg. Wegen der hohen Geburtenzahlen, schlechter Ernährung und
mangelhafter medizinischer Versorgung sind besonders die Frauen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.
Der vorherrschende Altersaufbau in den
Entwicklungsländern beschreibt eine Dreiecks- oder Pagodenform. Dies ist auf die für Entwicklungsländer typische Großfamilien,
die streng patriarchalisch strukturiert und mit traditionellen
ländlichen Lebensweisen und Arbeitstechniken gekoppelt sind, zurückzuführen. Den Familien erscheinen viele Kinder als
wünschenswert, da eine große Kinderschar ein Verzicht auf Fremdarbeit und damit soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit
bedeutet. Aufgrund einer hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit erhöht sich so auch die Chance, dass zumindest einige der
Kinder überleben, die durch Kinderarbeit oder in den Städten durch Betteln das Familieneinkommen erhöhen. Außerdem stellt eine
höhere Kinderzahl eine größere Sicherheit der Altersversorgung der
Eltern und einen höheren Kapitalrückfluss dar. Der wirtschaftliche Wert drückt sich dabei im Leben der Menschen aus, da sie alle
Arbeiten leisten und zugleich wieder verbrauchen. Das Leben ist dabei die einzige Besitzform die so lange standhält wie ihr
Eigentümer, denn Ernten können ausbleiben, Böden unfruchtbar werden, Tiere sterben, Werkzeuge kaputt gehen und Häuser zerfallen.
Dementsprechend stellen die Familie und besonders die Kinder eine Kapitalanlage dar. Da der Verlust eines weiblichen
Familienmitglieds das Kapital einer Familie verringert müssen Männer oft noch Kompensationen bei der Heirat an die Familie ihrer Braut zahlen. Das Ansehen einer Frau steigt mit zunehmender
Kinderzahl. Zu einem starken Bevölkerungswachstum kommt es durch das niedrige Heiratsalter und kurz aufeinander folgende
Geburten. Verstärkt wird dies durch mangelnde Information über Verhütung und
Familienplanung, sowie evtl. traditionelle islamische Wertvorstellungen. Hauptursache für die hohe Geburtenrate sind nicht nur religiöse und traditionelle
Motive, sondern eine grundlegende Mangelsituation, unter anderem im Bereich der Bildung, denen mit entsprechenden
Verhaltensweisen begegnet wird. Die typische Dreiecksform des Altersaufbaus entsteht dann durch die niedrige Lebenserwartung,
welche vor allem auf schlechte medizinische Versorgung, unzureichende Hygiene, Unterernährung, usw. zurückzuführen ist.
Dadurch entstehen Probleme wie hoher Investitionsbedarf für den Auf- und Ausbau des Gesundheits- und Bildungswesens, dem großen Bedarf
an Arbeitsplätzen für die Heranwachsenden, regelmäßige Versorgungsengpässe und das stetig steigende Bevölkerungswachstum.
Letzteres wird durch medizinisch-hygienischen Fortschritt, sinkende Sterberaten durch externe Nahrungsmittelhilfe und deshalb steigender Lebenserwartung zusätzlich gefördert. Dies zeigt sich
in einem Auseinanderklaffen von Geburten- und Sterberaten.
Das derzeitige Wachstum der Weltbevölkerung gilt als zentrale
Herausforderung unserer Zeit. Inzwischen ist jedoch sich verlangsamendes Wachstum erreicht worden. Ende der 80er Jahre betrug das
absolute Wachstum der Weltbevölkerung 86Mio/Jahr, dieses wird sich bis 2050 voraussichtlich auf 33Mio/Jahr verringern. 98% dieses
Wachstums findet allein in den Entwicklungsländern statt.
Während sich die alten Industrienationen vor allem in der nördlichen gemäßigten Zone finden lassen, liegt die Mehrheit der Entwicklungsländer in den Tropen, Subtropen, mediterranen und monsunalen Klimazonen. Deshalb ist es vor allem in politischen und wirtschaftlichen Gesprächen zwischen Entwickungs- und Industrieländern üblich geworden, von einem Nord-Süd-Problem, bzw. einem Nord-Süd-Dialog zu sprechen.
Es gibt verschiedene Ansätze zur Klassifizierung von Nationen entsprechend ihres Entwicklungsstandes. Die älteste
und wohl auch bekannteste ist die Einteilung in die 3 Welten. Dabei entspricht die 1. Welt den westlichen Industrienationen, die 2. Welt den
ehemaligen Sozialistischen Ländern (Ostblock) und die 3. Welt den Blockfreien Staaten, die heutigen Entwicklungsländer.
Wohlstandsteigerungen einzelner Länder, infolge der Ölpreiserhöhungen von 1973 und 1978/79, erfolgreiche Industrialisierungsbestrebungen, wirtschaftliche
Rückschläge und Naturkatastrophen, sowie kriegerische Konflikte machen ein Zusammenfassen dieser Länder in eine Klasse unmöglich. Deshalb wurde die 3.
Welt 1969 in einem Bericht der Weltbank indirekt weiter unterteilt. Unter 3. Welt versteht
man nun Entwicklungsländer, die sowohl über Rohstoffvorkommen
verfügen, als auch einen Industrieansatz vorweisen können. Als 4.
Welt werden Länder bezeichnet, die zwar kaum über Rohstoffe verfügen, jedoch auch ein Wirtschaftswachstum verzeichnen können. Unter die 5. Welt fallen all diejenigen Länder, die eine
besonders schlechte Wirtschaftslage und extrem ungünstige Voraussetzungen haben.
Die UNO verwendet für ihre Einstufung der Entwicklungsländer im Wesentlichen vier Kriterien. Diese sind der, aus Lebenserwartung, Kalorienverbrauch pro Kopf, Einschulungsrate aus Primar- und Sekundarschulen und Alphabetisierungsrate der über 15jährigen Bevölkerung errechnete, „Augmented Physical Quality of Life Index“, sowie der, aus dem Anteil der Industrie am BIP, der Zahl der Beschäftigten in der Industrie, dem Stromverbrauch pro Kopf und der Exportorientierung der Wirtschaft bestimmte, „Economic Diversification Index“, das Bruttoninlandsprodukt pro Kopf und die Einwohnerzahl des Landes. Sie unterscheidet dabei, im Bereich der Entwicklungsländer, zwischen:
Kritische Werte für die Einteilung eines Landes als SILIC oder SIMIC sind ein Verhältnis von 1:1 zwischen Auslandsschulden und BSP, ein Verhältnis von 5:2 zwischen Auslandsschulden und Exporterlösen, ein Verhältnis von 3:10 zwischen Schuldendienst und Exporterlösen und ein Verhältnis von 1:5 zwischen Zinsleistungen und Exporterlösen.
Diese, in ihrem jährlich erscheinenden Entwicklungsbericht getroffene, Einteilung der Weltbank, die besonders in internationalen Studien inzwischen weit verbreitet ist, beruht vor allem auf dem BSP und BIP der entsprechenden Länder. BSP und BIP sind als Wohlstandskriterien und als Indikatoren der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung jedoch umstritten. So handelt es sich bei Staaten mit hoher Selbstversorgung lediglich um grobe Schätzungen. Der informelle Sektor, der in einigen Entwicklungsländern bis zu 2/3 der Erwerbstätigen beschäftigt, besonders Frauen und Kinder, bleibt unberücksichtigt. Die in US$ ausgedrückten Werte geben nur bedingt Auskunft über die tatsächliche Kaufkraft. Luxusgüter werden im BIP überproportional bewertet. Ökologische Kosten werden überhaupt nicht berücksichtigt: Der Raubbau am Regenwald und das Anlegen von exportorientierten Monokulturen können das Wachstum und das BSP des Landes zwar steigern, sie haben jedoch zugleich oft negative Folgen für den sozialen Bereich der betroffenen Bevölkerung und können langfristig fatale ökologische und soziale Konsequenzen haben. Der statistische Durchschnittswert wird den enormen Disparitäten in Entwicklungsländern nicht gerecht. So steht in den Entwicklungsländern oft der hohe Reichtum einer kleinen Minderheit, der Armut der Masse der Bevölkerung gegenüber, ebenso besteht ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land, Mann und Frau, Kern und Peripherie, etc.
Der Human Development Report (HPR) ist Versuch Entwicklung zu quantifizieren und Länder mit Hilfe ihres Human Development Indexes (HDI) zu vergleichen und in einem Ranking zu listen. Er begann 2003 mit Norwegen (HDI: 0,944) und endete mit Sierra Leone (HDI: 0,275). Der HDI wird anhand einer Indikatortabelle die unter anderem die Lebenserwartung bei Geburt, die Alphabetisierung, die Reale Kaufkraft nach Kaufkraftparitäten, die Dauer des Schulbesuchs und den Kalorienverbrauch (quantitativ und qualitativ) enthält, errechnet. Da der HDI die die Menschenrechtssituation in verschiedenen Ländern, sowie die Stellung bestimmter Bevölkerungsgruppen, wie ganz besonders die Stellung der Frauen, nur unzureichend erfasst, wird seit 1995 der Gender Related Index (GDI) ausgewiesen, dieser berücksichtigt unter anderem auch regionale Disparitäten. Die Armut wird seit 1997 im Human Poverty Index (HPI) erfasst, welcher die Bekämpfung der Armut durch den sog. Sechs-Punkte-Plan ermöglichen soll. Er errechnet sich unter anderem aus der Prozentzahl der unterernährten Kinder und der Anzahl der Menschen mit Zugang zu sauberem Wasser und Gesundheitsdiensten.
Schwellenländer (auch take-off countries oder newly
industrializing countries; NIC) sind Nationen mit relativ fortgeschrittenem Entwicklungsstand. Die Klassifizierung als
Schwellenland geht meistens von der Höhe des Pro-Kopf-Einkommens, dem Energieverbrauch pro Kopf, dem Industrieanteil im BIP und dem Anteil von
Fertigprodukten am Weltexport aus. Dieser Rang wurde durch das Durchbrechen der
einseitigen Außenhandelsstruktur als Rohstoffexporteur
und Fertigwarenimporteur erreicht. Typische Eigenschaften für diese Länder sind ein Pro-Kopf-Einkommen von 2995-9000US$, ein
überdurchschnittlicher Anteil der Industrie am BIP, ein hoher Energieverbrauch pro Kopf, überdurchschnittliche Lebenserwartung
und ein überdurchschnittlicher Alphabetisierungsgrad. Sie besitzen bereits Industrien mit großer Breiten- und Tiefenstruktur und stellen unter Umständen bereits Investitionsgüter her, wodurch sie den Status vom
Rohstoffexporteur/Fertigwarenimporteur überwunden haben. Aufgrund der hohen Arbeitsproduktivität, des niedrigen Lohnkostenniveaus und eine exportorientierte Industrialisierung konnten die
Schwellenländer u.a. in der Textil-, Elektronik-, Massenstahl- und Schiffsbaubranchen den Industrienationen bereits erhebliche Marktanteile abnehmen.
Dabei hat die gesellschaftliche und soziale Entwicklung mit der wirtschaftlichen nicht Schritt gehalten.
Eine verbindliche Liste der Schwellenländer gibt es nicht, ihre Zahl schwankt je nach Liste zwischen 10 und 30. Die Weltbank und
der Internationale Währungsfond (IWF) kategorisieren jeweils 10 Länder als Schwellenländer,
jedoch werden nur 5 davon gemeinhin zur 3. Welt gezählt. Diese Länder sind Brasilien, Indien, Singapur, Südkorea und Taiwan; bis zu seiner Eingliederung in China, fiel auch Hongkong in
diese Kategorie. Die OECD weist hingegen wesentlich mehr Länder als Schwellenländer aus. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) und die EG unternahmen gemeinsam den Versuch auch soziale und politische
Indikatoren zur Bestimmung von Schwellenländern durchzusetzen, wurden jedoch auf internationaler Ebene abgewiesen. Daraufhin zog
das BMZ seine 30 Schwellenländer umfassende Liste, die u.a. auch Ecuador und Nicaragua enthielt, wieder zurück.
Die in der OPEC zusammengeschlossenen Staaten Algerien, Gabun, Indonesien, Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien, Libyen, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und Venezuela bilden eine eigene Gruppe. Durch den Ölpreisschock von 1973 gelangten sie zu einer hohen wirtschaftlichen und politischen Machtstellung ohne den Status eines geringentwickelten Landes überwunden zu haben.
Die Frage nach den Ursachen der Unterentwicklung hat zur Entwicklung einer Vielzahl von Theorien geführt. Keine dieser Theorien reicht jedoch zu einer widerspruchsfreien Erklärung aus. Sie sind vielfach monokausal und berücksichtigen mit ihrem globalen Gültigkeitsanspruch keine lokal relevanten Gegebenheiten. Unterentwicklung ist ein Komplex von Symptomen, zu dessen Erklärung naturgeografische, demografische, soziologische, historische, politische und religiöse, d.h. endogene und exogene Faktoren herangezogen werden müssen.
Diese Theorie besagt, dass einzig und allein die ungünstige geografische Lage eines Landes Ursache für seine Situation ist. Dies äußert sich z.B. in einer Binnenlage (land-locked countries), welche hohe Transportkosten und Sondersteuern, wie Transitgebühren nach sich zieht oder in einem ungünstigen Klima, welches in Form von langen, periodischen Dürren, stark schwankenden Niederschlagsmengen, großer Jahrestemperaturamplitude und labilen Ökosystemen auftreten kann. Weitere Faktoren sind minderwertige Böden, ungünstige Oberflächenstrukturen wie Höhenlagen oder Hanglagen.
Bei dieser Theorie sieht man die Ursache für die Unterentwicklung in Dualismen, die im regionalen und überregionalen Bereich auftreten. So z.B. im unverbundenen Nebeneinander von modernen und statischen Wirtschafts- und Sozialsystemen. In gesellschaftlicher Polarisierung und sozialer Ungleichheit oder in Gegensätzen zwischen industriellen Zentren und dem in der Entwicklung zurückgebliebenen Hinterland (Zentrum-Peripherie-Modell), aber auch zwischen Kolonie und Mutterland. Dabei sind die Dualismen nicht Ursache, sondern bereits eine Folge einer fehlgeleiteten Entwicklung.
Laut Modernisierungstheorie sind die Ursachen der Unterentwicklung vor allem in den Entwicklungsländern selbst zu suchen. So sollen traditionsbehaftete und statische Wirtschafts- und Gesellschaftsformen zu einer Rückständigkeit geführt haben, die einer Entwicklungsphase entspricht, welche die Industrienationen bereits vor der industriellen Revolution durchlaufen haben. Dementsprechend fordert sie, dass die Industrieländer den Entwicklungsländern als Leitbild dienen sollen, dabei wird Modernisierung mit „Verwestlichung“ gleichgesetzt, d.h. technische, wirtschaftliche, soziale und zivilisatorische Leitvorstellungen von bspw. Europa und den USA sollen übernommen werden.
"Seite2 von 3 auf Entwicklungsland
"Seite3 von 3 auf Entwicklungsland
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