Hauptseite Lesezeichen
Liste Artikel | Liste Kategorien | Zufälliger Artikel | Links auf diese Seite

Deutsche Wehrmacht

Früher war der Begriff Wehrmacht, nach der Bedeutung der Wortteile, ein anderes Wort für Streitmacht. 1935 wurde die deutsche Reichswehr in "Wehrmacht" umbenannt und heute ist mit dem Begriff Wehrmacht meistens diese Deutsche Wehrmacht gemeint.

Von 1936 bis 1944 gab es eine Zeitschrift mit dem Namen Die Wehrmacht.


Der Begriff Deutsche Wehrmacht bezeichnet die Streitkräfte, die 1935 unter Adolf Hitler als Oberbefehlshaber aus der Reichswehr gebildet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg war durch den Versailler Vertrag die zulässige Truppenstärke des deutschen Heeres auf 100.000 Mann (plus 15.000 Mann Marine) beschränkt worden mit der zusätzlichen Auflage, keine schweren Waffen, keine schwere Artillerie und keine Luftwaffe zu besitzen. Am 23. März 1921 wurde die Reichswehr unter diesen Auflagen gegründet. Von Beginn an aber war es Ziel deutscher Militärpolitik, die Reichswehr unter Umgehung dieser Auflagen zu einer schlagkräftigen Armee auszubauen. So gab es zum Beispiel nach dem Rapallo-Vertrag eine geheime militärische Zusammenarbeit zwischen der Reichswehr und der sowjetischen Roten Armee. Auch war der Anteil der Soldaten, die als Offizier oder Unteroffizier dienten, im Gegensatz zu den Mannschaftsdienstgraden extrem hoch. So war es später möglich, innerhalb weniger Jahre die Armee um ein Vielfaches zu vergrößern.

Im Februar 1923 reiste der neue Chef des Truppenamtes, Generalmajor Hasse, zu Geheimverhandlungen nach Moskau. Deutschland unterstützte den Aufbau der sowjetischen Industrie, Kommandeure der Roten Armee erhielten eine Generalstabsausbildung in Deutschland. Dafür erhielt die Reichswehr die Möglichkeit, Artilleriemunition aus der Sowjetunion zu beziehen, Flieger- und Panzerspezialisten auf sowjetischem Boden auszubilden und dort chemische Kampfstoffe herstellen zu lassen. Auf dem Flugplatz Lipezk wurden etwa 300 Militärpiloten, der Stamm für die Jagdfliegerwaffe, ausgebildet. Bei Kasan wurden Panzerfachleute ausgebildet, allerdings erst ab 1930 und nur ungefähr 30. Bei Saratow wurde Giftgas entwickelt.

Unmittelbar nach dem Tode Paul von Hindenburgs am 2. August 1934 wurden die Streitkräfte auf die Person Hitlers vereidigt. Viele Soldaten führten diesen persönlichen Eid als Begründung dafür an, dass sie keinen aktiven Widerstand gegen verbrecherische Befehle der Führung leisteten.

1935 wurde die Wehrpflicht unter Verletzung des Versailler Vertrages wieder eingeführt.

Die Wehrmacht umfasste (nach unterschiedlichen Quellen) 12 bis 20 Millionen Mann, die im Verlauf des Krieges eingezogen wurden und nicht alle zeitgleich dienten. An die 4,7 Millionen Angehörige der Wehrmacht starben allein bis zur Kapitulation 1945.

Zur Wehrmacht gehörten auch viele nichtdeutsche Freiwillige ("Volksdeutsche", Balten, Balkanbewohner, Russen, Kaukasier u. a. Ostlegionen, Wlassow-Armee). Für diese war im Oberkommando des Heeres (OKH) als «General der Freiwilligenverbände» der General der Kavallerie Köstring zuständig.

Militärische Grundlagen der Wehrmacht bildeten die Auftragstaktik, die geradezu sprichwörtliche Disziplin und, was insbesondere im Offizierkorps zu Reibungen mit der NSDAP führen konnte, unbedingter Gehorsam. Von Anfang an war die Wehrmacht als eine Hochtechnologie-Armee ausgelegt. Der Aufbau einer schlagkräftigen Panzertruppe - und später Luftwaffe - sicherten der Wehrmacht ihre Blitzkrieg-Erfolge. Die zahlreichen Einflüsse der politischen Führung des damaligen Nazi-Regimes, insbesondere taktische und strategische Entscheidungen Hitlers, waren der Grund für schwere Krisen und Niederlagen im Zweiten Weltkrieg. Militärische Erfolge im Blitzkrieg gegen Polen und Frankreich überzeugten auch kritische Stimmen in der deutschen Militärführung von dem neuen Konzept der Streitkräfte, welches auf eine "Tiefenrüstung" verzichtete und bewusst eine "Breitenrüstung" wählte, was sich während des Kriegsverlaufs, als stärkere Länder nicht mehr innerhalb weniger Wochen überrannt werden konnten, rächte.

Die außerordentlich hohe Kampfkraft der Wehrmacht wird von dem Militärhistoriker Martin van Crefeld ausführlich untersucht und verglichen, wobei er dieses Phänomen aus dem politisch-militärischen Gesamtzusammenhang herauslöst und damit isoliert betrachtet. Er schreibt:" Das deutsche Heer war eine vorzügliche Kampforganisation. Im Hinblick auf Moral, Elan, Truppenzusammenhalt und Elastizität war ihm wahrscheinlich unter den Armeen des zwanzigsten Jahrhunderts keine ebenbürtig." Zu einem ähnlichen Urteil kommt der französische Historiker Philippe Masson (s.u., Bibliographie)

Die militärischen Erfolge und Misserfolge der Wehrmacht sind im Artikel 2. Weltkrieg dargestellt.

Die Wehrmacht als Teil des NS-Unrechtsregimes

Zahlreiche Kriegsverbrechen sind der Wehrmacht anzulasten, insbesondere an der Ostfront und in verstärktem Maße nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion in dem so genannten Unternehmen Barbarossa.


Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung

Hitler hatte bereits im Vorfeld des Überfalls auf die Sowjetunion in einem Vortrag am 30. März 1941 vor etwa 250 Generälen der Wehrmacht den kommenden Krieg als "Kampf zweier Weltanschauungen" bezeichnet und verlangt, "von dem Standpunkt des soldatischen Kameradentums abzurücken".

Dementsprechend sah der im Auftrag Hitlers von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnete so genannte Kriegsgerichtsbarkeitserlass vom 14. Mai 1941 vor, dass

Zur Absicherung der Täter sah der Erlass vor, dass für "Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht (..) gegen feindliche Zivilpersonen begehen, kein Verfolgungszwang besteht, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen (..) ist". Generalleutnant Hermann Reincke - ihm unterstand die Abteilung Kriegsgefangene im OKW - erläuterte dies für seinen Bereich in einem Grundsatzbefehl vom 8. September 1941 dahingehend, dass der "Waffengebrauch gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen in der Regel als rechtmäßig gilt".

In einer Besprechung der Chefs des Generalstabs der 18. Armee am 13. November 1941 wurde festgehalten: "Nichtarbeitende Kriegsgefangene in den Gefangenenlagern haben zu verhungern."

Beteiligung der Wehrmacht an der so genannten Endlösung

Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur so genannten Endlösung ist ein dritter Erlass. Am 17. Juli 1941 ordnete die Abteilung Kriegsgefangene im Oberkommando der Wehrmacht nach einer Vereinbarung mit Reinhard Heydrichs Reichssicherheitshauptamt die Auslieferung von "politisch untragbaren" Gefangenen an Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei und des SD an. Nach den Ausführungsrichtlinien Heydrichs vom selben Tage waren mit "politisch untragbaren Gefangenen" die bedeutenden Funktionäre des Staates, die leitenden Persönlichkeiten der Zentral- und Mittelinstanzen bei den staatlichen Behörden, die führenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, die "sowjetischen Intelligenzler" und alle Juden gemeint.

Zur psychologischen Erleichterung für die Soldaten wurden Juden und Partisanen gleichgesetzt. Typisch hierfür ist ein Befehl von Generalfeldmarschall Walter von Reichenau vom 10. Oktober 1941, wonach "der Soldat für die Notwendigkeit der harten aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben muss, da Erhebungen im Rücken der Wehrmacht (..) erfahrungsgemäß stets von Juden angezettelt wurden.(..) Immer noch werden heimtückische, grausame Partisanen und entartete Weiber zu Kriegsgefangenen gemacht (..) und wie anständige Soldaten behandelt und in die Gefangenenlager abgeführt. (..) Ein solches Verhalten der Truppe ist nur noch durch völlige Gedankenlosigkeit zu erklären.". Ein Autor dieses Artikels meint, dass diese Bemerkung Reichenaus zeige, daß die Truppe Zivilisten und selbst Partisanen (die ja nicht durch das Völkerrecht geschützt seien) in aller Regel korrekt behandelt habe. Diese Auffassung ist streitig.

(Damals) General Erich von Manstein bezeichnete in einem Befehl vom 20. November 1941 "das Judentum als den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Wehrmacht und der Roten Führung (..) Das jüdisch-bolschewistische System muss ein für alle mal ausgerottet werden.".

Generaloberst Hermann Hoth formulierte dies in einem Armeebefehl der 17. Armee vom 17. November 1941 wie folgt: "Es ist die gleiche jüdische Menschenklasse (..). Ihre Ausrottung ist ein Gebot der Selbsterhaltung.

Kein Soldat der Wehrmacht wurde zur Teilnahme an entsprechenden Vernichtungsaktionen gezwungen, bei lautstarken Protesten höherer Offiziere war dagegen eine Ablösung die Regel (so der Oberbefehlshaber Ost Generaloberst Johannes Blaskowitz, als er gegen die Behandlung der Zivilbevölkerung und die Judenverfolgung in Polen protestierte).

Zahlen

Während der vorgenannte Kommissarbefehl wohl "nur" einige Tausend Opfer verlangte, kostete der letztgenannte Befehl der Auslieferung an den SD etwa 500.000 bis 600.000 Gefangenen das Leben.

Insgesamt fielen nach einer Schätzung von Christian Streit 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene dem einkalkulierten Tod zum Opfer, das sind 57 % aller Kriegsgefangenen, die die Wehrmacht an Rotarmisten gefangen genommen hat. Zwei Millionen waren, weil sie gar nicht als Menschen behandelt werden sollten und deshalb auch allenfalls mangelhafte Vorbereitungen für ihre Aufnahme in Lagern getroffen worden waren, bereits vor Frühjahr 1942 tot. Die Todesrate der von der Wehrmacht gefangen genommenen englischen und amerikanischen Soldaten beträgt demgegenüber etwa 3,5 %.

Wilhelm Keitel und die in dem Nürnberger Prozessen mitangeklagten Militärs haben versucht, das Massensterben auf die Unmöglichkeit zurückzuführen, die immensen Gefangenenmassen zu versorgen. Dies wird in der historischen Forschung als unzutreffende Verschleierung gewertet.

Rezeption des Verhaltens der Wehrmacht

Die Wehrmacht konnte sich zunächst vor einer nationalsozialistischen Indoktrination schützen, was auch Mitgliedern der Verschwörung des 20. Juli Möglichkeiten bot. Doch die SS und die NSDAP versuchten zunehmend, das Militär zu politisieren. Gegen Kriegsende wurden jedem Truppenteil "NS-Führungsoffiziere" zugeordnet, deren Bedeutung jedoch gering war. Typisch war in der oberen Wehrmachtführung jedoch bis zum Schluss der unpolitische Technokrat, der sich auf sein militärisches Fachgebiet beschränkte und moralische und politische Fragen ignorierte oder verdrängte. Der britische Historiker Christopher Browning hat manche in der Wehrmachtsausstellung als verbrecherisch präsentierte Maßnahmen etwa gegen den serbischen Partisanenkrieg als "realitätsnahe" Antwort bezeichnet, um "eine militärische Katastrophe" zu vermeiden. Auch heute wird das Verhalten von Partisanen (Hinterhalte, Tarnung als Zivilpersonen) als völkerrechtswidrig gewertet. "Die Aufgabe von Berufssoldaten war es, ihr Vaterland gegen Feinde zu verteidigen, es stand ihnen nicht zu, ihr Urteil und ihre Loyalität von der Politik der Regierung abhängig zu machen, die diese Feinde schuf."

In den Nürnberger Prozessen wurde die Wehrmacht trotz ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen nicht zur verbrecherischen Organisation deklariert. Führende Offiziere wie Wilhelm Keitel wurden allerdings als Hauptkriegsverbrecher angeklagt, für schuldig befunden und zum Teil hingerichtet.

Die umstrittene Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung dokumentierte für ein breites Publikum, dass auch Wehrmachtssoldaten aktiv an Hinrichtungsaktionen von Zivilisten und Widerstandskämpfern sowie am Völkermord gegen Juden beteiligt gewesen waren. Sie hatten Massengräber ausgehoben sowie Erschießungen und Vergeltungsaktionen an Zivilisten durchgeführt. Diese Ausstellung griff das bis dahin in Deutschland vorherrschende Bild einer 'sauberen', rein auf das militärische beschränkten Wehrmacht an. Jedoch wurden in der ersten Fassung der Ausstellung auch Exponate von Verbrechen gezeigt, die die Wehrmacht nicht begangen hatte. Nach dem Protest eines polnischen und eines ungarischen Historikers wurden die Exponate überprüft und die Ausstellung entsprechend wissenschaftlicher Ansprüche überarbeitet.

Die starre Durchführung von Durchhaltebefehlen (zum Beispiel bei der Schlacht um Stalingrad) kostete vielen deutschen Soldaten vermeidbar das Leben. Generäle die sich diesen, fast immer von Hitler persönlich gegebenen Befehlen widersetzten, wurden meistens abgelöst, aber nicht weiter belangt. Generalfeldmarschall Erwin Rommel schadete demgegenüber sein eigenmächtiges Zurückgehen in Afrika 1942 nicht.

Andererseits sind die Ereignisse vom 20. Juli 1944 wesentlich von einigen Angehörigen des Offizierkorps getragen worden, von denen jedoch einige ebenfalls zunächst eine nationalistische Weltanschauung hatten und die an Hitler nur seine falsche Militärstrategie, nicht aber seine Ziele und Methoden kritisierten. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es jedoch militärischen Widerstand.

wichtige Persönlichkeiten

Heeresgruppen und Armeen

Heeresgruppengliederung und unterstellte Armeen (die meiste Zeit)

Literatur

siehe auch

Weblinks





This site support the Wikimedia Foundation. This Article originally from Wikipedia. All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License Page HistoryOriginal ArticleWikipedia