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Amazonen im engeren Sinne ist der Name, den die Griechen einem im Mythos matriarchalisch organisierten, angeblich in Anatolien und am Ostufer des Schwarzen Meeres lebenden Volk gaben. Später wurde dieser Name auch für ein Frauenvolk in Nordafrika verwendet.
In der Moderne wird der Begriff „Amazonen“ auch für andere vermeintlich matriarchalich lebende Völker benutzt.
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Die Amazonen sollen ihren kleinen Töchtern - laut späteren Quellen - die rechte Brust ausgebrannt haben, um den Bogen ungehindert abschießen zu können. Deshalb wird die griechische Bezeichnung "Amazone" oft auf a-mazos (brustlos) zurückgeführt. In der griechischen Kunst sind Amazonen allerdings immer mit zwei Brüsten wiedergegeben. Die Herleitung von a-mazos ist jedoch nicht die einzig mögliche Deutung des Namens und wird in der feministischen Literatur auch nicht mehr oft vertreten.
Es wird für möglich gehalten, dass die realen Vorbilder für die Amazonen bei den Griechen die Sarmaten waren. Man hat in Südrussland und der Ukraine zahlreiche Gräber (Kurgane) sarmatischer Frauen gefunden, die mit Waffen und Rüstungen begraben wurden. In der Frühzeit (600 v.Chr. bis 300 v.Chr.) wurden den weiblichen Gräbern sogar mehr Waffenbeigaben beigefügt als den männlichen. Die Waffen weisen Gebrauchsspuren auf, sind also sehr wahrscheinlich auch benutzt worden.
Kürzlich fand der russische Archäologe Leonid Jablonskij und seine amerikanische Kollegin Jeannine Davis-Kimball in Südrussland 2500 Jahre alte Frauenskelette, die anatomisch auffällig waren. Zum einen waren ihre Oberschenkelknochen gebogen und ihre Steißbeine gestaucht. Sie waren also viel geritten. Zum anderen wurden als Grabbeigaben unter anderem auch Waffen (Pfeilspitzen und ähnliches) gefunden.
Vor einiger Zeit wurde ein weiteres "Amazonengrab" entdeckt, das nicht nur Schmuckstücke wie Dutzende von Goldperlen, fein gearbeitete Broschen und einen Ohrring, sondern auch mehr als 110 Pfeilspitzen enthielt. Die große Anzahl der Pfeilspitzen lässt die Forscher vermuten, dass es sich bei der Toten um eine bedeutende Kriegerin handelt.
Der Sagendichter Homer nennt die Amazonen in der im 8. Jh. v. Chr. verfassten Ilias an zwei Stellen:
In späteren Quellen erfahren wir, dass die Amazonen ihre Hauptstadt Themiskaia am Thermodon-Fluss im Pontos-Gebiet (Nordost-Kleinasien) gehabt haben sollen. Amazonenstämme hielten aber auch Kappadokien, Samothrake und Lesbos besetzt. Theseus, der sagenhafte König von Athen entführte eine Amazonenkönigin, nahm sie mit nach Athen und machte sie zu seiner Frau: Antiope, die Schwester von Hippolyte. Aus Rache drangen die Amazonen in Griechenland ein, plünderten einige Städte an der Küste und belagerten Athen. Bei den Kämpfen wurde Antiope getötet. Ihre Schwester Hippolyte wurde später von Herakles erschlagen, der ins Amazonenland kam, um den magischen Gürtel der Königin zu rauben. Während des trojanischen Kriegs, als die Amazonen schon nicht mehr so mächtig waren, sollen sie unter ihrer Königin Penthesilea den Trojanern zu Hilfe gekommen sein und die Griechen in Bedrängnis gebracht haben. Mit großen Anstrengungen siegten die Griechen. Penthesilea fiel im Kampf gegen Achilles.
Herodot schrieb im 5. Jahrhundert v. Chr. die zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer ansässigen Sauromaten (sie sind zu den Sarmaten zu rechnen) wären aus einer Vermischung von Skythen und Amazonen entstanden. Vor einigen Jahren ist in diesem Gebiet (bei Pokrovka) tatsächlich ein Gräberfeld aus dem 6.-4- Jh. v. Chr. entdeckt worden (s.a.a.O. und Weblinks).
Herodot hebt aus seiner Sicht einzigartige Bräuche der Lykier, die in Südwest-Kleinasien lebten, hervor (Herodot I,173): Sie sollen sich noch zu seiner Zeit nach ihren Müttern benannt haben. Außerdem richtete sich der Status eines Kindes nach dem Status der Mutter. War sie aus dem Bürgerstand, bekamen automatisch auch ihre Kinder Bürgerrechte, selbst wenn der Vater ein Sklave war. War ihre Mutter hingegen unfrei, so bekamen auch die Kinder keine Bürgerrechte, selbst wenn der Vater ein noch so angesehener Bürger war. Dies deutet auf eine ehemals sehr hohe Stellung der Frau in dem Teil Lykiens, den Herodot bereist hat. Nach Homer (s.o) waren einst Amazonen auch in Lykien ansässig.
Ferner gibt es eine Reihe von Gründungslegenden, in denen Amazonen eine Rolle spielen: so gründeten sie unter anderen die Städte Kyme, Myrne und Paphos. Auch das Artemision von Ephesos soll ursprünglich von Amazonen mitgegründet worden sein.
Die griechischen Mythen erwähnen auch verschiedene Inseln, auf denen Frauen ohne Männer gelebt haben sollen. Die Frauen dort hatten nur zu bestimmten Zeiten mit den Männern benachbarter Siedlungen Kontakt, um von ihnen geschwängert zu werden. Diese Frauenvölker werden aber nicht konsequent als "Amazonen" bezeichnet. Zum Beispiel die Inseln Tamnos, Lemnos und Lesbos sollen solche Fraueninseln gewesen sein. Die Frauen von Tamnos opferten ihrer Göttin alle Männer, die an ihren Küsten landeten. Über jene von Lemnos wurde gesagt, sie hätten sich gegen ihre Männer erhoben und alle gleichzeitig ermordet. Diese Frauenvölker werden jedoch nicht ausdrücklich als "Amazonen" bezeichnet.
Diodorus Siculus erwähnt Amazonen in Nordwest-Afrika, die lange vor den kleinasiatischen Amazonen gelebt und ganz Nordafrika unterworfen haben sollen. In ihrem Zusammenhang spricht man auch von „libyschen Amazonen“, die bereits von Herodot erwähnt wurden. In einem späteren Abschnitt seines Werks, widerspricht sich jedoch Diodor, denn dort fließen asiatische und libysche Amazonen, die er vorher strikt trennt, ineinander über. Von Kleinasien aus sollen die Amazonen demzufolge einige Inseln der Ägäis erobert und später Athen belagert haben.
Sueton, ein römischer Historiker aus dem 1. Jahrhundert schrieb, dass die Amazonen „einst einen großen Teil Asiens beherrschten“ (er meinte wohl die Skythen). Noch im 5. Jahrhundert wurde das Schwarze Meer auch „Amazonenmeer“ genannt.
In zwei demotischen Papyri aus Ägypten sind Unternehmungen des Pharaos Petubastis (ca. 818-793 v. Chr.) geschildert, bei denen er u.a. mit Amazonen unter einer Königin Sarpot kämpft. Später führen Ägypter und Amazonen gemeinsam Krieg gegen das Land Hintu. Die Geschichten sind lange nach Petubastis entstanden und können kaum als „außergriechischer“ Beweis für die reale Existenz der mythischen Amazonen gelten. Denn vermutlich wurden die Erzählungen von griechischen und/oder orientalischen Mythen beeinflusst.
Um einen realen Kern in den Amazonenmythen ausmachen zu können bräuchte man zeitgenössische Quellen (selbst für den Sagendichter Homer lebten sie in "grauer Vorzeit"). Es gibt sehr viele hethitische Texte aus den Archiven von Hattuscha und Ugarit, die ins 15. - 13. Jh. v. Chr. datieren - die Zeit, in der die meisten griechischen Sagen spielen dürften. Es konnten jedoch keine Hinweise auf das Sagenvolk der Amazonen gefunden werden. Man muß allerdings einräumen, dass in hethitischen Quellen ausgesprochen selten Nordost-Anatolien vorkommt und wir nicht einmal sicher wissen, welches Volk dort in der späten Bronzezeit gelebt hat. Außerdem erfahren wir sehr wenig über Gesellschaftsstrukturen, Sitten etc. der hethitischen Nachbarn. Auch assyrischen Quellen konnte bisher kein Hinweis auf Amazonen entnommen werden.
Auch die Walküren, die Kriegerinnen aus Walhalla aus der nordischen Sagenwelt werden von Feministinnen als Amazonen betrachtet. Allerdings handelte es sich bei den Walküren ursprünglich um Totengeister, die erst in spätgermanischer Zeit in den Mythen vermenschlicht wurden. Unter den Wikingern gab es echte "Amazonen": weibliche Häuptlinge und Heerführerinnen. Die norwegische Flotte, die im 10. Jahrhundert in Irland einfiel und Ulster dem Erdboden gleich machte, wurde angeführt von einer Kriegerin, die „die rote Frau“ genannt wurde. In Irland selbst gab es bis ins 7. Jahrhundert Kriegerinnen, dann wurde den Frauen von der christlichen Kirche das Tragen von Waffen verboten. In den Ländern um das Schwarze Meer herum trugen viele Frauen bis ins 18. Jahrhundert hinein Männerkleider, ritten rittlings und kämpften an der Seite der Männer.
Auch auf anderen Kontinenten gab es "Amazonenvölker". So zeigte sich zum Beispiel Christoph Kolumbus beeindruckt von den Arawak-Frauen auf Santa Cruz, die in der Armee mitkämpften. Der Fluss Amazonas ist ebenfalls möglicherweise nach einem kriegerischen Volk benannt, das anscheinend ohne Männer lebte. Sie wurden von Francisco de Orellana von der Gonzalo-Pizarro's-Expedition beschrieben, doch die Existenz wird angezweifelt. Wie schon bei den Griechen ist es jedoch auch hier schwierig, Geschichte und Legenden auseinander zu halten.


